Eine klaffende Marktlücke schloß sich dieser Tage: das Familien-Wohnbad ist da. Porzellan-Chef Rosenthal suchte nach neuen Lebensgefühlen und offerierte 25 000 Mark dem, der das Thema „Der Baderaum als sozialer Raum der Familie“ am besten löst. Sechs Entwürfe wurden schließlich von der Jury ausgezeichnet und im Rosenthal-Studio in München vorgestellt. Komplett zu beschauen und auch gleich zu kaufen ist der mit 5000 Mark belohnte Entwurf der „Cooperation Maisonnette“: ein Bad, Living-Room und Reinlichkeitsanlage zugleich, das maximal vier Quadratmeter braucht und aus einem Plastik-Guß ist. Mit sechs verschiedenen Sitzebenen hat es neben der Sitzbadewanne noch ein Waschbecken und ein Bidet. Kostenpunkt des nassen Familientreffpunkts: knapp 3000 Mark. Montagezeit: 95 Minuten – einzubauen im Badezimmer.

„Cooperation Maisonnette“ will ihre Kreation als „emanzipatorisches Design“ verstanden wissen: als ein Projekt, mit dem jeder selig werden kann, das Kleinkind ebenso wie die Großmutter. Dem Sprecher der Designergruppe, Wolfgang Link, liegt daran, in den Badewilligen ein Gefühl zu erzeugen, daß Ausziehen schieres Glück und kein Muß ist und Preis die „wohlige Nacktheit“. Philip Rosenthal indes verfolgt höhere Ziele. „Das Baden kann eine sehr schöne und familiäre Handlung sein. Deshalb müssen wir wegkommen von der nur hygienischen Zelle. Viel zuviel Raum wird am Schlafzimmer verloren, wo man doch nur a Bett braucht, a Licht und a Luft. Im Bad kann man sich treffen.“ Seine Frau, so ließ er wissen, habe sich das Maisonnette-Bad längst gekauft.

Ein völlig neues Badegefühl, das in der herkömmlichen Normalwanne offensichtlich verkümmert ist, bahnt sich an. Künftig wird man Freunde nicht mehr zum Tee, sondern zum Bad einladen. Das Gruppentummeln indes soll es nicht nur für Kreise leichtlebiger junger Menschen geben. Vielmehr schwebte den Maisonnette-Schöpfern vor: quer durch die Generationen soll das Meeting gehen – für alle und jeden.

Auf Zigaretten allerdings muß verzichtet werden; denn auf der Plexiglaswanne klebt, nicht zu übersehen, ein Zettel: „Rauchen verboten. Lassen Sie bitte keine brennende Zigarette auf dem Objekt liegen.“

Übrigens: der sexualpolitische Aspekt des feuchten Vergnügens ist äußerst wertvoll: Gruppensex in buchstäblich sauberer Form. Da kann nun wirklich niemand mehr etwas dagegen haben.

Angelika Boese