Vor dem Landgericht in Berlin streiten derzeit zwei Computer-Hersteller. Kläger: AEG-Telefunken AG, Frankfurt (Umsatz 1971: 9,4 Milliarden Mark); Beklagter: Wagner Computer GmbH, Berlin (Umsatz 1971 0,5 Millionen Mark). Der Elektrogigant fordert Schadenersatz von der Berliner Firma. Anlaß zu dem Rechtsstreit ist der Computer „Wagner Prozeßrechner WAC 12“, Kaufpreis 26 000 Mark, insbesondere „die Art und Weise, wie diese Entwicklung zur Wagner Computer GmbH gelangt ist“.

Drei ehemalige AEG-Techniker hatten das umstrittene Gerät an freien Wochenenden in Heimarbeit konstruiert. Nachdem sie bei AEG ausgeschieden waren, gründeten sie eine eigene Firma, die Mikrodata GmbH. Auf der Hannover Messe 1969 stellte Mikrodata zum erstenmal ihren Prozeßrechner aus. Auf derselben Messe war auch das Konkurrenzmodell, der AEG-Rechner 60/10, zu besichtigen.

Kurze Zeit nach der Ausstellung in Hannover ging den Freizeit-Konstrukteuren das Geld aus. Sie boten ihre Firma und ihren Rechner Günther Wagner, Spezialist für Abschreibungsfirmen nach dem Berlin-Hilfe-Gesetz, zum Kauf an. Der Berliner Finanzier wurde mit den Technikern handelseinig, die Mikrodata wechselte für 20 000 Mark ihren Eigentümer.

Schon vor dem Kauf belehrten AEG-Anwälte den kaufwilligen Wagner, daß die Mikrodata-Gründer ihre Entwicklung ihrem ehemaligen Arbeitgeber zum Kauf hätten anbieten müssen. Doch, so Wagner-Sprecher Wolfgang Feinbier: „Die Sache ist vollkommen ungefährlich.“

Inzwischen verkaufte die Wagner Computer GmbH den inkriminierten Rechner „25- bis 30mal“. Wagners bester WAC-12-Kunde ist ausgerechnet die Deutsche Signalgesellschaft mbH (Designa) in Kiel. Die AEG-Telefunken-Gruppe hält laut Geschäftsbericht 1971 75 Prozent des Designa-Stammkapitals. jgh