Spötter behaupteten, die Regierung von Island habe zwei Ereignisse mit Sinn für Publicity zeitlich glänzend zusammentreffen lassen: Das Turnier um die Schachweltmeisterschaft zwischen Fischer (USA) und Spasskij (Sowjetunion) und den Abbruch der dritten Verhandlungsrunde zwischen Island und Großbritannien um Fischereirechte Mitte voriger Woche. Island will ab 1. September 1972 seine Hoheitsgewässer von zwölf auf 50 Seemeilen ausdehnen und fremden Flotten den Fischfang darin verbieten.

Die Hauptbetroffenen, Großbritannien und die Bundesrepublik, haben wegen der Verletzung des Fischereiabkommens von 1961 – damals nahm London nach dreijährigem „Kabeljau-Krieg“ die Ausdehnung der Hoheitsgewässer von sechs auf zwölf Seemeilen hin – den Internationalen Gerichtshof angerufen. Dessen Spruch wird auf sich warten lassen – Reykjavik hat schon erklärt, daß es ihn nicht beachten wird.

Großbritannien muß jetzt um drei Viertel seines Fanges fürchten, den es bisher in den – nach isländischer Behauptung: überfischten – Gewässern um die Insel aufbrachte: In den letzten zehn Jahren durchschnittlich 210 000 Tonnen.

Der Fischereistreit hat nicht nur Auswirkungen auf die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen Islands mit der EWG, das eine befriedigende Lösung der Fischereigrenzen voraussetzt. Island hat auch die 1958 in Genf getroffene Konvention über den Festlands-Sockel neu interpretiert. Sie sieht vor, daß der Anrainerstaat Ansprüche auf Öl- und Gasvorkommen sowie auf Muscheln und Krebse dieses Gebietes hat. Staatsminister Johannesson argumentierte nun in Reykjavik, daß der Meeresboden und die Gewässer darüber eine untrennbare Einheit bildeten.