Ist der Abschluß einer Lebensversicherung auch in Zeiten wachsender Geldentwertung noch sinnvoll?

Dazu eine einfache Rechnung, die kürzlich Kurt Schlösser, Versicherungsmathematiker und Direktor der Victoria Lebensversicherung, aufgemacht hat: Bei einem Beitrag von 1000 Mark jährlich kann ein 35jähriger Versicherter eine Versicherungsumme von rund 28 500 Mark sicherstellen. Der reale Wert von 28 500 Mark vermindert, sich bei einer Geldentwertungsrate von fünf Prozent auf rund 8400 Mark oder auf weniger als ein Drittel des Ausgangswertes. Dabei ist zwar zu bedenken, daß die letzten Beiträge mit weitgehend entwertetem Geld gezahlt worden sind, dennoch bleibt das Beispiel auf den ersten Blick entmutigend.

In dieser Rechnung bleiben jedoch drei Faktoren unberücksichtigt:

  • Die Lebensversicherung zahlt beim Tode die volle Versicherungsleistung, auch wenn nur ein einziger Beitrag entrichtet worden ist.
  • Die Lebensversicherung verwendet die Überschüsse, die sie insbesondere aus den Kapitalerträgen erzielt, zur Erhöhung ihrer Leistungen an die Versicherten. Bei einer Vertragsdauer von 25 Jahren erhält die Versicherte nicht nur die Versicherungssumme, sondern das 1,8- bis zweifache dieser Summe ausgezahlt.
  • Steuerliche Ersparnisse können zu einer Verminderung des Beitragsaufwandes oder zu einer effektiven höheren Versicherungsleistung führen.

Das Argument der Steuerersparnis hat in den letzten Jahren allerdings an Bedeutung verloren, weil die für Sonderausgaben zur Verfügung stehenden Freibeträge durch die Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung, Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung bereits weitgehend ausgefüllt werden.

Die vielfach geforderte Heraufsetzung der Freibeträge wird es nicht geben, meine verehrten Leser, weil die heutige Sonderausgaben-Regelung die besser Verdienenden (mit höherer Steuerprogression) eindeutig bevorzugt. In der Steuerreform ist vorgesehen, die Vorzüge der steuerlichen Abzugsfähigkeit für alle gleich wirksam zu gestalten.

Dennoch behalten die „Großverdiener“ einen Vorteil. Die den Lebensversicherten zufließenden Kapitalerträge werden bei der Auszahlung der Versicherungssumme steuerfrei gelassen. Das ist einer der Hauptgründe, warum auch Leute mit Vermögen – die bei ihrem Tode die Familie nicht mittellos zurücklassen – noch eine Lebensversicherung abschließen.