Weder die Erhöhung der Mindestreserven der Kreditinstitute noch die labile internationale Währungssituation konnten bislang den Wiederanstieg der deutschen Aktienkurse bremsen. Die Wahlsorgen sind in den Hintergrund getreten, weil man der Meinung ist, daß die FDP im neuen Bundestag stark genug sein wird, sozialistische Experimente der SPD zu verhindern.

Im übrigen ist man in den Börsensälen der Ansicht, daß Ausländer auch weiterhin deutsche Aktien kaufen dürfen und dies auch tun. Nicht allein, um in der stabilen Mark engagiert zu sein, sondern weil einige deutsche Aktien im internationalen Vergleich auch jetzt noch unterbewertet sind. Das trifft insbesondere für Siemens-Aktien zu, deren Kurs sich wieder dem diesjährigen Höchststand genähert hat.

Mit Interesse ist zur Kenntnis genommen worden, daß das Kieler Institut für Weltwirtschaft, die Meinung vertritt, der gegenwärtige Preisauftrieb gehe zu einem wesentlichen Teil auf das Streben der Unternehmer zurück, die zusammengeschrumpften Gewinnmargen wieder aufzubessern. Damit scheint sich die Hoffnung zu bestätigen, daß die meisten Branchen das Ertragstief zunächst einmal hinter sich gelassen haben. Das wird zwar die Zurückhaltung vieler Anleger nicht beseitigen, aber die Ansicht jener festigen, die meinen, daß der Zeitpunkt zum „Kasse machen“ noch nicht gekommen ist.

Dies erklärt, daß die Kurse bei kleinen Umsätzen steigen. Über die tatsächliche Bereitschaft, neues Kapital in Aktien zu investieren, werden aber erst die kommenden Kapitalerhöhungen Auskunft geben. K. W.