Die Suppe, die sich Georg Leber als Postminister eingebrockt hat, muß nun sein Nachfolger, Bonns zweiter Superminister Lauritz Lauritzen, auslöffeln: die Erhöhung der Postgebühren.

Was die Widersacher der Gebührenerhöhung vor allem für die Bereiche Drucksachen, Wurfsendungen und Pakete ankündigten, scheint einzutreffen: Die Post läuft Gefahr, Monopol der schlechten Risiken zu werden. Die Post ist generell zum Versand von Paketen, Drucksachen und Wurfsendungen verpflichtet. Doch im Gegensatz zur Briefbeförderung kann die Wirtschaft diese Dienstleisung auch selber übernehmen, ohne mit dem Monopol der Post in Konflikt zu geraten.

Schon vor Monaten hatte der Versandhandel errechnet, daß der Paketversand in eigener Regie im Fernverkehr – etwa Hamburg–München – billiger ist als der Versand per Bundespost. Die kurzen, konstenungünstigen Wege und die Verteilung überläßt man dann wieder der Bundespost. Die Post kann die Sendungen nicht ablehnen.

In Bonn hat man inzwischen ermittelt, daß das Aufkommen bei Massendrucksachen im ersten Quartal dieses Jahres um zehn Prozent, das der Drucksachen um sechs und das der Pakete um knapp ein Prozent gesunken ist. Im vergangenen April wurden der Bundespost um 42 Prozent weniger Wurfsendungen als im Vorjahr anvertraut.

Die neuerliche Gebührenerhöhung kann dafür noch nicht verantwortlich gemacht werden, denn Sie wurde erst im Juli wirksam.

Im Postministerium reagiert man auf die Entwicklung vorerst gelassen. Ein Sprecher meinte: „Es kann bei dem Rückgang ein Zusammenhang mit der Gebührenerhöhung bestehen. Verläßlich aber kann das niemand sagen.“

Weniger Einnahmen muß die Bundespost auch im Bereich der Schweizer Grenze verzeichnen. Dort erledigen Bundesbürger ihre Inlandspost im kleinen Grenzverkehr: Das Briefporto von der Schweiz nach Deutschland beträgt 40 Rappen, knapp fünf Pfennig weniger als das Inlandsporto in der Bundesrepublik. hff