Von Klaus-Peter Schmid

Wer in deutschen Chefetagen auf einem sicheren Sessel thront und in seiner Branche einen guten Namen hat, der kann seine blauen Wunder erleben. Ganz unvermittelt klingt die Frage aus dem Telephon: „Kennen Sie nicht zufällig einen guten Mann, der Spitzenaufgaben gewachsen ist?“ Und nach ein paar Minuten merkt der Boß, daß ein sich betont seriös gebender Personalberater es auf ihn selbst abgesehen hat.

Wenn der Umworbene mit den Praktiken von Personalberatern vertraut ist, wird er sich leicht einen Heim auf den Anruf machen: Er hatte das Vergnügen mit einem Headhunter, einem Kopfjäger. Kopfjagd ist eine Tätigkeit, die sich hart am Rande der Legalität bewegt – meist sogar jenseits dessen, was das Gesetz erlaubt. Denn die Vermittlung von Führungskräften ist (wie jede andere Personalvermittlung) ein Monopol der Bundesanstalt für Arbeit und ihrer Dienststellen.

Privatleute dürfen nur eines: in Personalfragen beraten. Diese Beratung schließt auch das Aufgeben von Stellenanzeigen ein, die Personalberater im Auftrage von Unternehmen besorgen. Doch alles was darüber hinausgeht, ist von Übel – zumindest im Prinzip. Denn niemand regt sich heute ernsthaft darüber auf, daß die Managersuche per Telephon immer mehr praktiziert wird.

Vor ein paar Jahren war dies noch als anrüchiges Headhunting verschrien. Heute erklärt die Berndtson International in Frankfurt unumwunden: „Dieser Vorgang gehört auch in Deutschland schon fast zum geschäftlichen Alllag.“ Viele große Konzerne wollen die Mitarbeit der Kopfjäger nicht mehr missen, denn je öfter sie ihre Chefs feuern, desto schneller muß die Suche nach dem Nachfolger Erfolg haben.

In diesen Fällen ist die gezielte Personalanzeige allenfalls die Ausnahme von der Regel. Im Hause Kienbaum, einer der größten deutschen Personalberatungen, erklärt man: „Bei der Personalsuche werden heute in Deutschland zu 20 Prozent Personalberater, zu fünf Prozent Headhunter eingesetzt.“ (Um 75 Prozent ihres Managerbedarfs kümmern sich die Unternehmen selbst.) Die Spitzenpositionen dürften weitgehend unter die fünf Prozent fallen; und eine Trennung zwischen Kopfjägern und Personalberatern scheint mehr als problematisch.