• Nahost

Die „Vereinigte Arabische Republik“ (VAR) hat innerhalb einer Woche zweimal für Schlagzeilen gesorgt. Meldungen arabischer Zeitungen besagten, daß Libyens starker Mann, Oberst Gaddafi, Mitte voriger Woche gestürzt worden sei. Erster Anlaß zu diesen Spekulationen war das Schweigen in Tripolis zu der für Mittwoch angekündigten Regierungsumbildung.

Am Samstag griff der ägyptische Präsident Sadat in die Auseinandersetzungen ein. Einen Tag später wurde die neue Regierung unter Ministerpräsident Dschallud, bisher Vizepräsident unter Gaddafi, vorgestellt. Dschalluds Bestellungsurkunde unterzeichnete der Revolutionsrat „kollektiv“. In der neuen Liste, auf der nur zwei Offiziere aufgeführt sind, fehlt das Amt des Verteidigungsministers, das Gaddafi bisher verwaltete.

Offenbar hat es bei der Regierungsumbildung einen Streit darum gegeben, ob nach Gaddafis Wunsch zivile Fachleute ernannt werden sollten. Die Offiziere dagegen wollten ihre Machtpositionen nicht preisgeben. Der starke Mann konnte sich noch einmal durchsetzen; zu dem ausgehandelten Kompromiß gehört auch, daß er sich bald zur allgemeinen Wahl als Präsident stellen wird.

Völlig überraschend gab Präsident Sadat am Dienstag vor der ägyptischem Einheitspartei bekannt, daß er die Sowjetunion um den Abzug der rund 15 000 sowjetischen, im Lande unbeliebten Militärberater aller drei Teilstreitkräfte ersucht habe. Mit diesem Schritt zog Sadat die Konsequenzen aus der sowjetischen Entscheidung, im Nahost-Konflikt eine friedliche Lösung zu suchen und Ägypten die gewünschten modernen – sprich: offensiven – Waffen nicht zu liefern. Auch Ministerpräsident Sidki hatte bei seinem Moskau-Besuch, den er in der vorigen Woche antrat, keine Änderung dieser Haltung erreicht.

  • Vietnam

Nach zweimonatiger Unterbrechung wurden am Donnerstag voriger Woche die Pariser Vietnam-Friedensgespräche wieder aufgenommen. Auf dem ersten Plenum ergab sich allerdings die bekannte Frontstellung; Nordvietnam hatte schon zuvor die amerikanischen Forderungen als „absurdes Ultimatum“ zurückgewiesen.

Die Hoffnungen richten sich jetzt auf Geheimgespräche, zu denen Nordvietnam und die USA sich bereit erklärt haben. Ein Treffen zwischen dem nordvietnamesischen Politbüro-Mitglied Le Duc Tho und Nixons Sicherheitsberater Kissinger wurde noch für diese Woche erwartet. Le Duc Tho und Kissinger sind bisher dreizehnmal zu geheimen Verhandlungen zusammengekommen.