„Die Erben von Penmarric“, Roman von Susan Howatch. Leidenschaftliche Familientragödien mit glühender Liebe und flammendem Haß sind heute fast undenkbar. Wer wegen eines Kindheitsschocks impotent wird, leidet nicht sein ganzes Leben lang vor sich hin und läßt alle Frauen, Geliebten, Geschwister, Halbgeschwister, Knechte, Neffen und Pfarrherrn kräftig mitleiden, sondern er liest Rolle oder geht zum Psychotherapeuten. Es gäbe dann natürlich auch fast nichts über diesen Mann zu erzählen, und deshalb siedeln Autoren von Familiengeschichten ihre Helden am liebsten in der Vergangenheit an, möglichst, wie die Penmars, in abgelegenen Gegenden, wo es nicht einmal jemanden gibt, der den verschiedenen Helden von Zeit zu Zeit den Kopf zurechtsetzt. So morden, lieben und zerfleischen sich die Penmars, weil ihr Stammvater sein Leben lang mit der Ehefrau und der Geliebten – freilich an verschiedenen Orten – lebte und Scharen von Kindern zeugte, alle durch die Unordnung der Gefühle und Umstände schwer geschädigt, so daß sie die ungelösten Probleme der drei Elternteile mit gesteigertem Haß- und Neid-Einsatz zur Tradition machen. Alle Krisen der Kleinfamilie (auch wenn sie in einem Schloß leben), alle kranken Eltern-Kind-Verhältnisse tauchen auf, kein Mißverständnis wird durch Gespräche geklärt. Im Gegenteil: Vorurteile und Irrtümer fressen sich in den Seelen fest und führen direkt und unter Theaterdonner über ganz Cornwall von einer Katastrophe zur anderen. So war das Leben, so wundervoll fürchterlich, so streng und herz- und hilflos die Herren, die Damen so unerbittlich und mächtig, auch wenn sie früher Huren in Hafenkneipen waren. Wie sehr den meisten von uns das schlimme einfache Leben fehlt, erkennt man daran, daß dieser Roman ein Bestseller ist. (Aus dem Amerikanischen von Günter Panske; Verlag Fritz Molden, Wien/München; 703 S., 28,– DM)

Sybil Gräfin Schönfeldt