Neu in Museen und Galerien:

Hannover Bis zum 2. August, Galerie Brusberg: „Michael Schoenholtz“

Plastische Extravaganz auf einem bemerkenswert soliden Fundament: noch im respektlosen Umgang mit dem kanonisierten Menschenbild spürt man die gute Kinderstube, die Herkunft aus der Akademie, das jahrelange Aktzeichnen, das Studium nach der Natur. Schoenholtz wäre der gediegene Bildhauer alter Schule, wenn er sich nicht beim Herstellen der Figur auf bestimmte Einzelheiten konzentrierte und den Rest summarisch behandelte oder einfach wegließe, so daß nur noch Hände oder Füße, eine Armbeuge, eine Kniekehle übrigbleiben, monumentalisierte Gliedmaßen mit realistisch ausgearbeiteten Details, die an die Überreste antiker Kolossalstatuen erinnern. Die Reihung überdimensionaler und realistischer Körperteile ergab gelegentlich („Männlicher Torso im Wasser“) den surrealistischen Schockeffekt. Neuerdings bevorzugt Schoenholtz zwar die ganze Figur, wobei ihn aber wiederum nur ein spezieller Aspekt, eine Körperhaltung, eine physiologische Situation interessiert. Mit seinem aus Carrara-Marmor gemeißelten Athleten hat er unaufgefordert einen exzellenten Beitrag zum Olympiajahr geleistet. Die Läuferfigur reduziert auf den Moment des Startens, Arme und Beine sind zu vier Marmorsäulen geworden, die tempelhaft in die Höhe ragen. Der manieristische Witz resultiert aus dem Kontrast von feierlich stilisierter Attitüde und einem krassen Detailrealismus der Spikes, Bandagen und sonstigen Sportutensilien, wobei das edle, klassische Material seinerseits erheblich zum komischen Effekt beiträgt.

Köln Bis zum 10. August, Galerie Der Spiegel: „Joseph Cornell“

In Amerika genießt der 70jährige Cornell legendären Ruhm. Und obgleich André Breton ihn bereits 1936 in die führenden Surrealisten eingereiht hatte, ist er bei uns bis zur 4. documenta ziemlich unbekannt geblieben. Hein Stünke, der jetzt eine relativ kleine Auswahl (acht Kästen und neun Bilder) zeigt, hatte ihn damals nach Kassel und auf die documenta gebracht, und wenn es einen Preis für poetische Bildnerei gegeben hätte, dann hätte Cornell ihn erhalten für die bemalten Holzkonstruktionen aus seiner „Hotel“-Serie, das „Grand-Hotel de l’Univers“ und „Hotel du Nord“ und „Hotel de l’ Etoile“. Daß Cornell auch auf der 5. documenta präsent ist und wiederum mit älteren Arbeiten, spricht für die Einsicht der Veranstalter, die Cornell nicht nur für einen liebenswürdigen Außenseiter halten, sondern für einen Initiator und Wegbereiter einer Richtung, die auf der documenta unter dem Stichwort „Individuelle Mythologien“ vorgezeigt wird. Durch Cornell und seine kleinen Erinnerungsschreine wird der pompöse und anspruchsvolle Begriff der Mythenbildnerei allerdings auf sympathische Weise relativiert. Cornell hat keinerlei kosmische oder mythische Ambitionen, wenn er seine Kästen bastelt, in denen er das Prinzip der Collage, wie es Schwitters und Max Ernst praktiziert haben, in die Dreidimensionalität transformiert. Sein Material sind Gläser, Becher, Scherben, Kugeln, Bälle, Korken, Rollen, Haken, Abziehbilder, Dürer-Reproduktionen, Dinge, die ihm einmal Spaß gemacht haben, die sich in irgendeiner Schublade ansammeln und die er zu seltsamen Stilleben arrangiert. Durch sparsame malerische Aufbereitung erhalten sie die Aura längst vergangener und wiedergefundener Augenblicke, wobei der autobiographische Stellenwert der Dinge so weit zurücktritt, daß die Schaukästen unmittelbar an die imaginativen Fähigkeiten des Betrachters appellieren. Die Kölner Ausstellung enthält neben älteren Arbeiten auch Bilder aus den letzten Jahren, darunter eine Miniatur mit dem Titel „Hölderlin“. Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen:

Baden-Baden Bis zum 17. September, Staatliche Kunsthalle: „Makart – Triumph einer schönen Epoche“