Von Erwin Lausch

Langatmig erzählte der Verdächtige seine Geschichte: wie ihn zwei Fremde gebeten hatten, sie zu einem Warenhaus zu fahren, wie sie mit Einkäufen herauskamen und wie überrascht er gewesen sei, als er später erfuhr, daß alles gestohlen war.

Der Polizeibeamte musterte einen Papierstreifen, der sich aus einem Meßgerät schob. Dann sagte er dem Erzähler auf den Kopf zu, daß der Bericht erlogen war: Die angeblich Fremden seien dem Fahrer nicht fremd und ihr Vorhaben ihm bekannt gewesen; außerdem habe er einen Anteil von der Beute erhalten. Bestürzt starrte der Überführte auf das Gerät und gestand.

Die Szene spielte kürzlich in Ellicott City im US-Staat Maryland. Bei der Suche nach der Wahrheit bewährte sich eine neue Art von Lügendetektor, die nach dem Willen des Herstellers, der Dektor Counterintelligence & Security Inc. in Springfield (Virginia) eine Epoche der Aufrichtigkeit herbeiführen soll. Das neue Prinzip: Wahrheitsfindung aus der Stimme.

Die bisher bekannten (in der Bundesrepublik wie in vielen anderen Ländern verbotenen) Lügendetektoren oder "Polygraphen" (Vielschreiber) registrieren jeweils eine ganze Reihe von Körperfunktionen, so Herzschlag und Atmungsfrequenz, Blutdruck und Feuchtigkeit der Haut. Ihre Anwendung beruht auf der Erfahrung, daß sich seelische Erregung, wie sie beim Lügen häufig auftritt, auf die Körperfunktionen auswirkt, auch wenn der Lügner keine äußeren Anzeichen von Erregung erkennen läßt.

Für die Untersuchung mit dem klassischen Lügendetektor werden dem zu Vernehmenden Sensoren zur Messung der verschiedenen Körperfunktionen angelegt. Der Polygraph zeichnet die Meßwerte auf ein langsam abrollendes Papierband, während das Verhör vorgenommen wird. Experten bemühen sich dann, aus den zackigen Linien die Lügen herauszulesen.

Das neue Gerät, das seine Erfinder PSE – Abkürzung für "Psychological Stress Evaluator" (Meßgerät für psychischen Streß) – getauft haben, nutzt zwar ebenfalls den Zusammenhang zwischen seelischer Erregung und einer Körperfunktion, aber seine Anwendung ist sehr viel einfacher. Wer auf Wahrheitsliebe untersucht werden soll, braucht nicht an das Gerät angeschlossen zu werden. Er braucht nicht einmal anwesend zu sein. Erforderlich ist nur die Stimme. Sie kann auch vom Tonband stammen, aus dem Radio kommen oder aus dem Fernsehen.