Von Martin Gregor-Dellin

Über Gabriele Wohmann Neues mitzuteilen, ist nicht ganz einfach. Vermutlich will auch niemand Neues hören. Ihre Leser haben sich an sie gewöhnt, wie die wachsende Zahl ihrer Titel und Lizenzausgaben beweist. Es hat sich ein bequemes Klischee herausgebildet – von den „mörderischen Alltäglichkeiten“ ihrer Prosa, dem Terror der lieben Nächsten, den sie darstellt –, und die Kritiker haben an diesem Klischee fleißig mitgewirkt. Ohne Ausnahme.

Aber muß man es nicht auch der Autorin anlasten, wenn man sich bei Wiederholungen ertappt? Wenn man glaubt, schon alles gesagt zu haben? Ist sie nicht selbst zu früh und zu schnell Wiederholungszwängen erlegen? Nun kann man ein solches Insistieren auf einem einmal eingeschlagenen Weg auch positiv auslegen, nämlich als Konsequenz, biographische Folgerichtigkeit, Personalstil, Deutlichkeit eines Lebensthemas. Sie ist allemal deutlich und unverwechselbar wohmannsch, so auch in ihren beiden neuen Bänden –

Gabriele Wohmann: „Gegenangriff“, Prosa; SL 55, Luchterhand Verlag, Neuwied; 182 S., 7,80 DM

und

Gabriele Wohmann: „Der Fall Rufus“ – Ein Elternabend, mit Graphiken von Klaus Staeck; Broschur 31, Verlag Eremiten-Presse, Stierstadt; 48 S., 8,80 DM.

Der sorgfältig formulierte Einführungstext des Luchterhand-Verlags verführt leider dazu, Bekanntes zu wiederholen: „In der detailgenauen Beschreibung wird das Berechenbare unberechenbar; wenn Gabriele Wohmann über Alltägliches schreibt, schreibt sie zugleich von den schönen alltäglichen Übereinkünften in unserer Gesellschaft und davon, daß schon das Sprechen über solche Übereinkünfte die hintergründige Gewalttätigkeit der bürgerlichen Konventionen bloßlegt.“ So weit, so richtig – obwohl auch das schon wieder aus einer Kritik abgeschrieben sein könnte. Dennoch ist äußerste Vorsicht geboten. Das, was sich in den Geschichten des Luchterhand-Bandes ereignet, ohnehin meist nur eine Begebenheit zweiten oder dritten Grades, eine beredete oder reflektierte Begebenheit, wird noch weiter zurückgedrängt zugunsten eines bloßen Sprechens.