Von Felix Rexhausen

Er ist ein Mann, der trägt herbstein, lenzaus über seinem Hemd stets nur eine lustige Weste mit unzähligen Taschen darauf. Und wo er geht und steht, im Wald und in der Stube und so auch auf der documenta, hat er einen Filzhut auf, von dem er 1969 sagte: „Ich habe eine Vorliebe für Filzhüte. Das wurde dann eine Marotte und ist heute mein Kennzeichen. Wenn die Leute meinen Hut sehen, sagen sie: Da kommt der Beuys.“

Der Beuys ist einer, über den in einer von Bonn aus weltweit verbreiteten Schrift zur Imagepflege der „Bundesrepublik Deutschland“ zu lesen stand: „Den Düsseldorfer Plastiker Joseph Beuys halten manche für den bedeutendsten deutschen Künstler der Gegenwart, einige sogar für den wichtigsten europäischen Künstler, und eine ständig wachsende Zahl junger Menschen für den faszinierendsten Künstler unserer Zeit überhaupt.“

Dieser Mann ist 1921 in Kleve geboren, entrann bei einem Absturz als Stuka-Flieger 1942 mit knapper Not dem Tode, wollte immer Biologie und Zoologie studieren und ging schließlich auf die Kunstakademie Düsseldorf, um Bildhauerei zu lernen. Er war dort von 1949 an Schüler und später „Meisterschüler“ Ewald Matarés, wurde 1962 selber zum Lehrer an der Düsseldorfer Akademie bestellt und hatte zehn Jahre später rund 350 Schüler in seiner „Klasse“, mehr als irgendeiner seiner Kollegen in Deutschland.

Ein Bildhauer – er verfertigte Werke wie: mit Fett verklebte Holzecken, Stapel aus Filz- und Metallplatten, mit brauner Fußbodenfarbe bemalte Frankfurter Würstchen, Kruzifixe aus Filz, Arrangements mit Hasenteilen und abgeschnittenen Fußnägeln, unbrauchbar gemachte Eßbestecke, fettbestrichene Stühle, mit Einmachgläsern und Gerümpel überhäufte Holzgestelle, knopflose Anzüge aus Filz.

Ein Großteil seiner Werke ließ er in öffentlichen „Aktionen“ entstehen und oft bis auf Residuen auch wieder vergehen: er fütterte ein Klavier mit Waschpulver, er verlängerte einen Speer um eine Rückbiegung aus Fett, er lispelte Verse aus Goethes „Margarine auf Tauris“ und spie zwischendurch Iphigenie-Klumpen auf die Bühnenbretter (ein Pferd sah zu), er bündelte alte Zeitungen und versah die Stöße mit geheimen Zeichen.

Und 1968 rief er eine „Deutsche Studentenpartei“ ins Leben, die nach zwei Jahren wieder einging. Und 1971 gründete er eine „Organisation für direkte Demokratie durch Volksabstimmung“, die ein Jahr später sechzehn „Arbeitskreise“ und Mitglieder aus allen Schichten der Bevölkerung hatte; und um setzte im Frühjahr 1972 seinen Namen und-seine Energie dafür ein, daß die Stadt Düsseldorf der Kunstakademie eine alte Messehalle überlasse – teils zur Linderung der akademischen Raumnot, teils im Hinblick auf eine künftige, von Beuys konzipierte „Freie Schule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung“.