In Frankfurt ist der Fußgänger seit der Nachkriegsentwicklung zu einer Stadt der Bosse und Banken nie so recht verwöhnt worden. In Frankfurt, so resümiert man angesichts eines Scherbenhaufens von ungestörten Fußgängerpfaden, hat man sich mehr mit der Verkehrsentwicklung, weniger aber mit der Stadtentwicklung beschäftigt.

Die Gegend rund um die Hauptwache ist dafür ein typisches Beispiel. Außer einer ausladenden Kranzlerterrasse und einem Terrain vor dem Cafe der alten historischen Hauptwache wurde das teure Frankfurter Pflaster vierspurigen Autowegen geopfert. Allenfalls als Zugabe überließ man dem eingeschränkten Bürger zu Fuß allein die Schillerstraße, wo seither ein Hotel, ein Bierstübchen und ein Cafe sommertags Tischchen und Stühle nach draußen stellen und fleißige Politessen Strafzettel schreiben, weil Playboys nicht davon lassen können, hier ihre Superautos zu parken.

Im übrigen hat man an der Hauptwache den Bürger zu Fuß unter Tage in die sogenannte B Ebene verwiesen, mit Ladentrakts, Restaurants, Zugang zur U Bahn Station und auch einer Beratungsstelle für Rauschgiftsüchtige. Abends indessen meidet der Frankfurter die Ebene, die dann den Gammlern, Fixern und Stadtstreichern gehört, und erst seitdem die Fußstreifen des l. Polizeireviers in der nahen Mainzer Gasse ihre Fußstreifen verstärkten, fühlt sich der Fuß- und Spaziergänger einigermaßen unbelästigt.

Walter Möller, Frankfurts jüngst verstorbener Oberbürgermeister, wies in seinen Thesen von der "menschlicheren Stadt" dem Fußgänger einen wollen die Stadtplaner zwischen Haupt- und Konstablerwache fast alles von der Straße verbannen, was rollt. Ausgenommen einige Ausstellungsbahnen auf Gummirädern, popig angemalt und gedacht für einkaufsbeladene Hausfrauen, die zur nächsten Tramstation wollen. Ab Mai sollte jeweils an den verkaufsoffenen Samstagen "probegelaufen" werden. Die Verkehrsplaner sind jedoch nicht rechtzeitig damit fertig feworden, die zwangsläufig komplizierten Proleme der Verkehrsumleitungen zu entwirren. In Möllers Konzept findet sich des weiteren die Vorstellung, den Fußgänger vom Mainufer an der Obermainanlage bis zum Mainufer an der Untermainanlage durch den gesamten Anlagenring ungestört schlendern zu lassen. Auch Alt Sachsenhausens Ebbelwei Romantik soll licht länger durch Autos gestört sein, die die Gäßchen zuparken und Kohlenoxydschwaden den Apfelweinzechern ins Glas wehen. Dies wird sieb ändern, die Autos werden auf Parkplätze und in Tiefgaragen in angemessener Entfernung von Paradies- und Rittergasse geschickt und curch Brunnen, Arkaden, Passagen, Gaslaternen und andere Fußgängerherrlichkeiten ersetzt.

Frankfurts neuer, junger Baudezernent Hanns Adrian entdeckte übrigens sofort, daß Frankfurts Renommierpflaster, die Kaiserstraße, eine Art verhinderter Kudamm ist. Bäumchen sind da, viel bürgerliches Flair auch, Halb- und Unterwelt, teure Geschäfte, Restaurants, Bars. Mario, ein in Kassel geborener Italiener, stellte Flugs drei Tische auf den Gehsteig vor sein veitbekanntes italienisches Spezialitätenrestaurant, als er hörte, daß die untere Kaiserstraße, zum Hauptbahnhof hin und ab Moselstraße, Flattierpflaster wird.

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