Die währungspolitischen Probleme von 1971 haben ihre Spuren bei den Handelsunternehmen deutlich sichtbar zurückgelassen. Die Betroffenen sind in erster Linie die exportorientierten Firmen. Während die Kostenexplosion von 1969/70 noch durch Preiserhöhungen aufgefangen werden konnte, hat das Floating und die spätere Aufwertung der Mark den „Exporteuren“ deutliche Rückschläge gebracht.

Die Umsatzeinbußen – insbesondere bei den „Metallhändlern“ – haben teilweise zu ernsten Situationen bei den betroffenen Firmen geführt. Zu allem Unglück verfielen obendrein die Weltmarktpreise für Metalle. Ohne Berücksichtigung der Wechselkursänderung lagen sie bis zu 20 Prozent unter ihrem Stand vom Frühjahr 1970.

Nutznießer der währungspolitischen Entwicklung waren die importorientierten Unternehmen. Die Aufwertung machte ausländische Erzeugnisse preiswerter. Allerdings wurde die Freude getrübt. Die Kostensteigerungen haben das Ausmaß des Vorjahres zwar nicht erreicht, aber die Erträge trotzdem erheblich geschmälert. Hinzu kommt der überproportionale Anstieg der Personalkosten, der allen Unternehmen zu schaffen macht. Darüber dürfen die teilweise hohen Zuwachsraten der Umsätze nicht hinwegtäuschen. Was für unsere Tabelle „Die 100 größten Industrieunternehmen der Bundesrepublik“ galt, trifft (ZEIT Nr. 28) auch für die Handelsunternehmen zu: Es war eine Expansion ohne Profit.

Die Umsatzangaben sind kein Gradmesser für den Wert eines Unternehmens, sondern lediglich einer der Maßstäbe, an denen die Größe gemessen werden kann. Nach der Zahl der Belegschaft wäre die Reihenfolge der Unternehmen eine andere. Der größte Arbeitgeber in der Bundesrepublik ist nach wie vor die Bundespost mit etwa 500 000 Arbeitnehmern, gefolgt von der Bundesbahn mit 419 300, der Siemens-Gruppe mit 306 000, dem Volkswagenwerk mit 202 000 und der Ruhrkohle AG mit 178 800 Arbeitnehmern. Zum Vergleich: Bei dem deutschen Mammutunternehmen der Vorkriegszeit, der IG-Farbenindustrie, waren 1936 etwa 110 000 Menschen tätig.

Die Dienstleistungsunternehmen sind wegen ihrer schwer zu differenzierenden Umsatzangaben aus den anderen Tabellen ausgegliedert. Während die Umsatzangaben normalerweise die Umsätze der konsolidierten Gewinn- und Verlustrechnung beinhalten, inklusive aller Beteiligungen ab 50 Prozent, abzüglich der Mehrwertsteuer, lassen sich die Angaben der Dienstleistungsunternehmen mit denen der Industrie- und Handelsunternehmen kaum vergleichen. Sie enthalten zu einem großen Teil durchlaufende Posten (Zoll, Fracht), oder werden durch die jeweilige Vertragsgestaltung für einen Vergleich unbrauchbar. Trotzdem sind die Dienstleistungsunternehmen zur Information mit aufgeführt.

Die Umsatzmilliarden haben an Bedeutung verloren. Die in ihnen enthaltenen Kostensteigerungen verfälschen das Bild und sagen nichts über die Ertragskraft eines Unternehmens aus. Während 1959 24 Industrieunternehmen zu den Umsatz-Milliardären zählten – nicht ein einziges Handelsunternehmen gehörte dazu – erzielten 1971 schon 24 Handelsunternehmen Umsätze von mehr als einer Milliarde Mark.

Die co op Gruppe, mit 6,1 Miliärden Mark Umsatz das größte deutsche Handelsunternehmen, zu dem inzwischen jedoch auch eigene Produktionsstätten gehören, würde in einer kombinierten Industrie-Handelsunternehmens-Tabelle hinter Fried. Krupp den 14. Platz in der Rangfolge der umsatzstärksten Unternehmen einnehmen. Noch vor 14 Jahren war Krupp mit 3,3 Milliarden Mark Umsatz das größte deutsche Unternehmen. Interessant ist wiederum ein Vergleich mit den Unternehmen der Vorkriegszeit: Die IG-Farbenindustrie, das einst umsatzstärkste deutsche Unternehmen, setzte 1939 nicht einmal ganz zwei Milliarden Reichsmark um.

Gemessen am Umsatz sind die heutigen Unternehmen, selbst unter Berücksichtigung des inzwischen eingetretenen Kaufkraftschwundes, um ein Vielfaches größer als die Großunternehmen der Vorkriegszeit. j.fr.