Ein roter Farbstoff, der – in der Bundesrepublik ohne Beschränkung – zur Verschönerung von Lebensmitteln und Fruchtsäften, überdies auch als Ingredienz von Lippenstiften verwendet wird, steht seit einiger Zeit schon im Verdacht, nicht so ungefährlich zu sein, wie bislang angenommen wurde. Jetzt will deshalb die amerikanische Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) die Verwendung des Farbstoffs in Nahrungsmitteln, Getränken und Kosmetika gegenüber den bisher in den USA gebräuchlichen. Mengen um durchschnittlich mehr als 30 Prozent einschränken.

Das Red Nr. 2 (US-Bezeichnung für das in Deutschland unter den Namen Amaranth oder E 123 zur Rotfärbung von Lebens- und Genußmitteln zugelassene Präparat) erwies sich in Tierversuchen als eine Substanz, die die Reproduktionsfähigkeit beeinträchtigt. Russische Forscher, die Ratten mit Amaranth gefärbtes Futter verabreicht hatten, stellten daraufhin bei den Tieren Unfruchtbarkeit und Totgeburten fest. Zu ähnlichen Resultaten gelangten Wissenschaftler der amerikanischen Lebensmittelbehörde.

Ein Stoff, der – wie auch immer – in den Reproduktionsprozeß Lebewesen eingreift; folgerte die FDA aus-diesen Ergebnissen, kann nicht als absolut ungefährlich gelten und ist deshalb als Lebensmittelzusatz allenfalls mit Vorsicht anzuwenden.

Der Getränkeindustrie verordnete die Behörde eine Verringerung des bisher üblichen Amaranth-Zusatzes um etwa 50 Prozent, die Lebensmittelhersteller sollen nach dem Willen des Amtes die Beimengung dieses Farbstoffes um 30 Prozent verringern. Präzise heißt es in der beabsichtigten Bestimmung, die allerdings noch keine Gesetzeskraft erhalten hat, weil die Einspruchsfrist für die betroffenen Firmen noch nicht abgelaufen ist, daß in Getränken, Nahrungs- und Arzneimitteln nicht mehr als 30 ppm (parts per million = Teile in einer Million Teilen) Amaranth enthalten sein dürfen. In Lippenstiften ist der erlaubte Farbstoffanteil auf 1000 ppm festgesetzt.

Die Ankündigung dieser Verordnung hat bereits bewirkt, daß einige amerikanische Herstellerfirmen Amaranth durch eine andere, ebenfalls aus Kohleteer gewonnene, rötende Substanz (Red Nr. 40) ersetzt haben, gegen die – bis jetzt jedenfalls – noch keine Bedenken geäßert worden sind.

In der Bundesrepublik ist eine entsprechende Änderung der Farbstoffverordnung nicht vorgesehen. -ow