Von Rolf Diekhof

Eine deutsche Erfindung aus dem Jahre 1954 hat an Amerikas Börsen Furore gemacht. „Der wundersame Wankel“, schrieb das angesehene Börsen- und Wirtschaftsblatt The Wall Street Journal, „bewegt Autos und katapultiert Aktien in den Weltraum.“ Katapultiert wurden vor allem Curtiss-Wright-Aktien – von einem Tief (10,25 Dollar 1971) auf einen „Weltraumhöhepunkt“ von 59,25 Dollar am Mittwoch, dem 5. Juli. Ursache des Kurswunders: Curtiss-Wright, Hersteller von Instrumenten und Geräten für die Weltraumfahrt, hält eine Wankel-Generallizenz für Nordamerika.

Der rasante Aufstieg endete Anfang voriger Woche mit einem dramatischen Absturz. Der Handel mit Curtiss-Wright-Aktien wurde bis Mittwoch ausgesetzt; der Kurs fiel auf knapp über 36 Dollar.

Gehässige Äußerungen des Chrysler-Technikers Allan Loofbourrow hatten bei den Aktionären eine Panik ausgelöst. Loofbourrow: „Der Wankelmotor wird sich als eine der unglaublichsten Phantastereien herausstellen, die jemals die Welt-Autoindustrie heimgesucht haben. Der Wankel ist im Prinzip eine schmutzige Maschine.“

Nach Loofbourrow trat Curtiss-Wright-Präsident John Morris in die Arena: „Wenn überhaupt ein Motor geeignet ist, die verschärften Abgasvorschriften für 1975 zu erfüllen, dann ist es der Wankel.“

Die Jagd nach Informationen bei der für die Wankelspekulationen letztlich verantwortlichen Adresse aber blieb erfolglos. General Motors, der größte Autoproduzent der Welt, hat über die eigenen Wankel-Aktivitäten eine strikte Nachrichtensperre verhängt. Sicher ist jedoch: Bis Mitte 1974 wird das GM-Management seine Entscheidung pro oder kontra Wankelmotor fällen.

Seit dem Oktober 1969 ist General Motors’ Engagement in der Kreiskolbentechnik immer stärker geworden. Damals bestellten die Amerikaner bei dem japanischen Maschinen- und Autokonzern Toyo Kogyo (Automarke: Mazda) drei Wankelmotoren für Versuchszwecke. Fast genau ein Jahr später schlossen GM-Unterhändler den bisher aufsehenerregendsten Wankelvertrag ab. Für 50 Millionen Dollar erwarb GM das Recht, Wankelmotoren jeder Art (außer Flugmotoren) herzustellen, ohne Stücklizenzen zu zahlen.