Nur auf dem Boden ganz harter Arbeit bereitet sich normalerweise der Einfall vor.

Max Weber

Neu bei Luchterhand

Otto F. Walter, der für die belletristische und soziologische Produktion zuständige Geschäftsführer des Hermann Luchterhand Verlages, hat gekündigt. Am 30. Juni nächsten Jahres will er den Verlag, dessen literarisches Profil er seit 1967 entscheidend mitgeprägt hat, verlassen, um sich nach eigenem Bekunden wieder stärker der eigenen schriftstellerischen Arbeit widmen zu können. Außerdem will Walter in seine schweizerische Heimat zurückkehren, wo er (so der Luchterhand-Gesellschafter Eduard Reifferscheid) noch immer einen „Verkehrskreis“ hat. Die Gründe sind plausibel; freilich scheinen sie nur die rationalisierten Folgen der eigentlichen Motivation zu sein. Otto F. Walter steht als Liberaler zwischen den ideologischen Fronten des Verlags: Als umsatzbeteiligter Geschäftsführer einerseits und Promoter gesellschaftskritischer Literatur andererseits stand er vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Zu dieser Situation, die spätestens seit Anfang dieses Jahres, seit der Affäre um die Kündigung des links-engagierten Lektors Frank Benseier auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt ist, kam die für Walter persönlich bedauerliche Tatsachen hinzu, daß das Jahr 1971 für die literarische Sektion des Luchterhand-Verlages nicht sehr erfolgreich war; die Sammlung Luchterhand, ein verlegerisches Aushängeschild Otto F. Walters, braucht immer noch Zuschüsse. In der Kündigung eine neue Krise eines linken Verlages zu sehen, wäre allerdings unangemessen: nach einem Gespräch mit Eduard Reifferscheid entschloß Walter sich, seine Kündigung in eine Änderungskündigung umzuwandeln. Die Zusammenarbeit soll gelockert, aber nicht gelöst werden, Arbeit und Profil des Verlages sollen erhalten bleiben.

Ausgewünscht

Nun haben sie’s also geschafft: Das Familienquiz „Wünsch Dir was“, personifiziert durch das Moderatorenpaar Schönherr und Bach, ist liquidiert worden. Es gibt nur noch drei Sendungen; die 24. am 2. Dezember wird die letzte sein. Über die Gründe, die zur Aufgabe der interessantesten Unterhaltungssendung dieser Art im Fernsehen geführt haben, kann man nun rätseln, denn Genaues weiß man nicht: Die Intendanten von ORF (Österreich), SRF (Schweiz) und ZDF (Bundesrepublik) haben nämlich „vereinbart, keinen Kommentar zu liefern“, damit keiner dem anderen die Schuld am Ende ihrer Koproduktion in die Schuhe schieben kann. Da von einer Wiederaufnahme der Sendung auch in einer Variation nicht die Rede ist, fällt das Argument einer Erfrischungspause weg. Und da in keiner der Anstalten Waghälse sitzen, bleibt nur der Verdacht übrig, daß es den Veranstaltern unbequem geworden war, die unbequeme, wenngleich anregende, herausfordernde, klärende, phantasievolle, kritische, meist sehr unterhaltsame Unterhaltungssendung weiter zu betreiben. Und ganz sicher gab es auch politische Einwände, so dürftig sie auch sind. Als Ersatz werden genannt: eine Rätselsendung „Flip“ vom ZDF, ein Reisequiz „Fahr in die Welt“ aus Wien, „Illusionen, optische Täuschungen“ aus der Schweiz.

Geheim bis zum 11.11.