Gerade noch rechtzeitig zum olympischen Bücherboom kam ein Werk, das unter der Vielzahl der Editionen eine Sonderstellung einnimmt: „Die Enzyklopädie der Olympischen Spiele – Daten, Fakten, Namen“ von Erich Kamper. Der Römer-Verlag in Stuttgart, der sich schon hohe Verdienste erwarb mit dem ersten Band „Olympia ’72“, der vom kultischen Beginn in der Antike bis zur Moderne einen weiten Bogen schlägt und zum faszinierenden Panorama des Weltsports über die Jahrhunderte hinweg geriet, brachte auch, wie mit Recht auf der Klappe steht, dieses erste zuverlässige Nachschlagewerk über die Olympischen Spiele von Athen 1896 bis Mexiko 1968 heraus.

Willi Daume sagte in seinem Vorwort richtig, eine exakte olympische Dokumentation hat es bisher nicht gegeben, nicht zuletzt, weil auch Coubertin sich lieber auf sein Gedächtnis verließ und oft nur Schriftstücke von einem literarischen Wert aufbewahrte. Unzählige Fehler hatten sich eingeschlichen, die bis heute von den Statistikern immer wieder übernommen und mitgeschleppt werden.

Der Verfasser hat mit der Besessenheit und Akribie eines Wissenschaftlers 40 Jahre lang fast täglich vier und mehr Stunden an diesem Buch gearbeitet. Allein 6000 Briefe wurden in 62 Länder aller Kontinente geschrieben, um die Ergebnisse zu überprüfen. Das Ergebnis ist dieses einzigartige Werk, in dem die Hekatomben von Fehlern und Irrtümern vermieden sind, die bisher alle ähnlichen Bücher zur ärgerlichen Lektüre machten.

Zahlreiche Stichproben von den sieben Olympischen Spielen, bei denen ich als „Fan“, Teilnehmer oder Journalist dabei war, brachten nur richtige Resultate. 15 000 Olympiakämpfer sind aufgeführt, davon tauchen 1000 Namen überhaupt zum ersten Male auf. 100 000 Daten insgesamt werden auf 320 großformatigen Seiten gebracht.

Ein Elektronengehirn der Firma Siemens wurde in München mit diesen Daten gefüttert und wird den Journalisten von Presse, Funk und Fernsehen mit einem Knopfdruck ihre jeweilige Frage beantworten. Dieser Band hat nur einen Nachteil: der hohe Preis. Ein Buch für 125 Mark (Subskription 98 Mark) kann sich der Sportler kaum leisten, aber für Bibliotheken, Institute für Leibesübungen, Sportverbände und Vereine wird Kampers Werk unentbehrlich sein. A. M.