Am Montag endete der Lebensweg des reichsten Mannes Deutschlands dort, wo er 1883 begonnen hatte. In Kreuztal im Kreis Siegerland, seinem Geburtsort, wurde Friedrich Flick zu Grabe getragen.

Von den einen als industrielles Genie ohne Beispiel gefeiert, von den anderen als Inkarnation des rüden Frühkapitalismus verdammt – Friedrich Flick haben Lob und Tadel ebenso kaltgelassen wie die Diskussion darüber, ob Familienkonzerne wie sein Industrieimperium aus 300 Firmen und mit einem Vermögenswert zwischen fünf und sechs Milliarden Mark noch zeitgemäß sind.

Friedrich Flick, Sohn eines Bauern und Holzhändlers, hatte schon rechtzeitig dafür Sorge getragen, daß die Nachfolge in seinem Reich erschütterungsfrei von seinem jüngsten Sohn übernommen werden konnte. Seit den Abendstunden des vergangenen Donnerstag, an dem der „alte Herr“, wie er im Konzern genannt wurde, in einer Konstanzer Klinik einem Nierenleiden erlag, ist Friedrich Karl Flick der Chef des größten Familienbesitzes in der Bundesrepublik.

Die tragenden Pfeiler seines ererbten Reiches sind der Fahrzeugbau (eine 40prozentige Beteiligung an der Daimler Benz AG), Chemie und Papierindustrie (Dynamit Nobel und Feldmühle), Eisenwerke (Buderus) und Stahlindustrie (Maximilianshütte). Den Daimler-Anteil nicht mitgerechnet, beschäftigten die Flickschen Unternehmen im letzten Jahr mehr als 68 000 Mitarbeiter und setzten rund 6,5 Milliarden Mark um.

Um in diesem Reich regieren zu können, begann der heute 45jährige Friedrich Karl Flick eine Woche vor Kriegsende, am 1. Mai 1945, in München mit dem Studium der Betriebswirtschaft. Nach praktischer Arbeit in zwei Lübecker Firmen ging er den Weg vieler Söhne aus reichen Industriellenfamilien: Er absolvierte eine mehrjährige Ausbildung im Handel und bei Banken in Amerika. 1957 wurde er in die Konzernspitze, die Friedrich Flick KG, nach Düsseldorf gerufen. Fünf Jahre später nahm ihn der strenge Vater als persönlich haftenden Gesellschafter auf, so daß Friedrich Karl zehn Jahre Zeit hatte, sich in die Denkweise und den Führungsstil seines Vaters einzuarbeiten.

Doch nun muß sich erweisen, ob der introvertierte, in der Öffentlichkeit manchmal scheu wirkende Erbe – nur im Kreise der Familie oder enger Freunde taut er auf – das Imperium mit der gleichen unangefochtenen Autorität und Souveränität führen kann wie sein Vater. Friedrich Flick duldete zwar seinen Sohn neben sich auf der Kommandobrücke, er ließ aber keinen Zweifel darüber, wer die Hand am Ruder hatte.

Bis in die letzte Zeit seines Lebens ließ der Siegerländer Milliardär seinen Sohn und seinen im Management tätigen Vetter Konrad Kaletsch jede Woche in sein Refugium am Bodensee kommen, wohin er sich wegen seiner angegriffenen Bronchien zurückgezogen hatte. Dabei gingen seine Anordnungen bis in Einzelheiten. So bestimmte er beispielsweise sogar den Tag, an dem die Feldmühle-Gruppe (über eine Milliarde Mark Jahresumsatz) ihre Bilanz-Pressekonferenz veranstaltete. Helfried Krug, Chefmanager der Gruppe, mußte dafür im letzten Jahr sogar seinen Portugal-Urlaub unterbrechen.