Noch müssen die Malaien trotz zahlenmäßigen Übergewichts den Chinesen die wirtschaftlichen Schlüsselstellungen überlassen

Von Rudolf Herlt

Für Tun Datu Haji Mustapha bin Datu Harun ist die Welt noch in Ordnung, zumindest die kleine Welt von Sabah im Nordosten Borneos: „Bei uns gibt es keine Demonstrationen, keine Streiks, keine Aufstände und keine Langhaarigen.“ Das sind, für ihn, den Chief Minister von Sabah, die vier modernen Plagen der Menschheit, vor denen er den ihm anvertrauten Staat energisch bewahrt. Eine parlamentarische Opposition, meint er, würde dabei nur stören und Energien kosten, wo es gilt, den gesunden Menschenverstand zu nutzen und rasch zu handeln.

Sabah gehört zu den dreizehn souveränen Staaten, die zusammen den Bundesstaat Malaysia bilden. Elf davon liegen auf der Halbinsel Westmalaysia und zwei, Sarawak und Sabah, auf Nordborneo. Die Hauptstadt von Sabah, Kota Kinabalu, in der Mustapha regiert und eine Zeitung besitzt, wirkt wie die Residenz eines Herrschers, der ein straffes, aber erfolgreiches Regiment führt. Die Stadt ist blitzsauber. Gebaut wird viel, und die Anfälligkeit der Bevölkerung für die kommunistische Ideologie maoistischer Prägung ist gering. Nicht nur die Hauptstadt, ganz Sabah ist frei von kommunistischen Terroristen. Mustapha hat einen guten Draht zur Bundesregierung in Kuala Lumpur. Sein heißester Wunsch: eine Eisenbahn. Er hofft, daß sein Wunsch über die zehn Journalisten, die die Weltbank nach Südostasien eingeladen hatte, die Stelle erreicht, die ihn erfüllen kann.

Ganz so gut geht es seinem Kollegen Dato Abul Rahman Yaacob in Kuching, der Hauptstadt Sarawaks, nicht; Er muß sich mit einer gut organisierten kommunistischen Bewegung herumschlagen. Während der Konfrontation mit dem Indonesien Sukarnos gingen bis 1965 zahlreiche Männer und Frauen chinesischer Herkunft über die Grenzen nach Indonesien und ließen sich dort als Terroristen ausbilden. Etwa 500 von ihnen halten sich heute in den Dschungeln von Sarawak auf.

Prunkstück Südostasiens

Rahman Yaacob: „Das ist ein ideologischer Kampf. Aber die gelegentlichen Überfälle der Terroristen, die ihren Nachschub bei der bäuerlichen Bevölkerung mit Gewalt holen, verängstigen die Menschen auf dem Lande. Wir haben sie neuerdings mit Schrotflinten bewaffnet. Wir wissen, daß das ein Risiko ist. Aber wir vertrauen darauf, daß die Mehrheit auf unserer Seite steht.“