Der Eklat um den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Bolivien scheint Immer noch nicht ausgestanden. Von allen Vorwürfen des Anden-Staates erwies sich zwar nur ein einziger als begründet – der DED-Beauftragte Gerd Merrem hat tatsächlich dem über Nacht zum Staatsfeind gewordenen Rektor der Universität von Santa Cruz die Flucht ermöglicht –, aber die Bonner Opposition schießt munter weiter: nicht nur gegen den angeblich total politisierten DED, sondern auch und vor allem gegen den zuständigen Minister Eppler.

Für „bedenklich“ hält es die Union, daß der Minister erneut versäume, eine Lehre aus dem bolivianischen Mißgeschick zu ziehen und den Entwicklungshelfern die Grenzen ihres Auftrages zu verdeutlichen. Im Falle Merrem sollte dieser Auftrag offenbar höher anzusetzen sein als die Rettung eines Verfolgten.

Bedenklich ist in Wahrheit der Irrglaube der Kritiker, es könne den total unpolitischen Helfer geben. Entwicklungshilfe bleibt ein Torso, wo nicht der Wille zur Selbsthilfe geweckt wird. Selbsthilfe verlangt aber in Entwicklungsländern nur zu oft, soziale Strukturen aufzubrechen und damit politische Gewichte zu verschieben; so wird sie unversehens zur Einmischung: Dieses Risiko ist der Entwicklungsarbeit einprogrammiert. Die Parteicouleur des verantwortlichen Ministers spielt da keine Rolle.

Bonn muß dieses unvermeidliche Risiko durch Garantien für seine draußen tätigen Helfer auffangen. Bolivien hat inzwischen Schutz zugesichert – wobei gewiß sorgfältig zu verfolgen, sein wird, wieweit es sich an sein Versprechen hält. Die Kapital- und Personalhilfe jetzt einzustellen, wäre ein allzu bequemer Ausweg zu Lasten derer, die sie am dringendsten brauchen.

H. B.