Man sagt, er sei nach dem Kriege auf einem Fahrrad in Hamburg eingetroffen: Ganske, der Verleger von Hoffmann und Campe. Mit wenig Gepäck, aber einem klaren Kopf voller fruchtbarer Ideen. So sollte unter dem etwas eklektischen Namen „Merian“ eine Zeitschrift starten, die jenem durch Not geadelten Optimismus, Schönheitssinn und Lebensmut Ausdruck gäbe, von denen Ganske erfüllt war. (Der heute wieder populär gewordene Name deutet natürlich auf Matthaeus Merian, den Topographen, Reisenden und Kartenzeichner des XVI. Jahrhunderts.) In diesen Tagen hat sich nun ein Vierteljahrhundert gerundet, seit das erste Heft erschien. „Merian“ hatte Grund, das Jubiläum mit einer wohlgelungenen Festausgabe zu feiern.

Der Mann, der vor fünfundzwanzig Jahren den redaktionellen Teil der „Merian“-Gründung übernehmen sollte, war bald gefunden: bei der ZEIT, wo Dr. Heinrich Leippe gerade sein Volontärjahr beendet hatte (wenn man unsere fröhliche, wenn auch stets von leisem Magenknurren begleitete gemeinsame Arbeit so nennen darf). Er hat dann nicht nur den textlichen und illustrativen Plan dieser Monatszeitschrift mit Buch-Charakter entwickelt und fortgeführt, sondern auch gewußt, „Schule zu bilden“. Denn als es Leippe unwiderstehlich auf die verlegerische Seite des Literaturlebens zog, blieb sein Stellvertreter Dr. Albrecht Bürkle zur Stelle, das Werk fortzusetzen. Und nach Bürkles allzu frühem Tod dessen Stellvertreter Dr. Will Keller, der heutige Chefredakteur. Die Einheitlichkeit der Fortentwicklung, die Verdeutlichung des einmal gefundenen Stils hat nicht verhindert, daß, zumal unter Kellers Leitung, „Merian“ sich immer wieder modernisierte: maß- und phantasievoll, wie es sich hier geziemte.

Daß die besten Reiseschriftsteller und Landschafts- oder Kunstphotographen der Bundesrepublik, aber auch der jeweils behandelten Länder es sich zur Ehre rechnen, für „Merian“ zu arbeiten, ist das Verdienst dieser redaktionellen Arbeit, die ebenso von Eleganz wie von Solidität geprägt wird. Anders wäre es wohl nicht möglich gewesen, daß Fachautoren der verschiedensten Gebiete, aber auch Literaten von Rang und Namen in „Merian“ als Reiseschilderer auftreten, um Städte und Landschaften der ganzen Welt von ihren Licht-, aber gelegentlich auch Schattenseiten darzustellen.

Am Anfang hat die Idee mitgespielt, nach zerstörerischem Krieg zu dokumentieren, was in Deutschland noch vorhanden war. Diese Idee weitete sich aus zur Schilderung dessen, was verborgen, verboten, zerstört war. Das Schöne zu suchen war Absicht. Das Schöne ohne die Lüge des Kitschs darzustellen war und blieb die redaktionelle Kunst. Daß einmal eine Zeit kommen würde, in der das Reisen zur allgemeinen Lebensgewohnheit werden würde, hätte wohl auch der einfallsreichste Verleger nicht ahnen können. Auch hier hat Glück nur der Tüchtige, der Tüchtige um sich zu sammeln versteht.

Unser Glückwunsch an „Merian“!

J.M-M