Von Rolf Diekhof

Franz Heinrich Ulrich, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, räuspert sich an passender Stelle: „Ich danke dem Vorstand für seine erfolgreiche ... der Bankier stockt und korrigiert, „... den Umständen nach – erfolgreiche Tätigkeit.“ Mit Ulrichs eingeschränkter Dankadresse schloß vor gut vierzehn Tagen die bemerkenswert harmonische und außerordentlich kurze Hauptversammlung der Klöckner-Humboldt-Deutz AG (KHD) – eines der angesehensten deutschen Maschinenbaukonzerne.

Mit so viel Harmonie hatten KHD-Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich und KHD-Vorstandschef Karl-Heinz Sonne vermutlich nicht gerechnet. Denn die traditionsreichen Maschinenbauer schlossen auf der Aktionärsversammlung ein bemerkenswert schlechtes Jahr (1971) ab: Der Konzernumsatz stieg auf 3,48 Milliarden Mark, die Dividende dagegen fiel von 16 auf 12 Prozent (6 Mark pro 50-Mark-Aktie). Und darüber, daß die Ausschüttung die eigentliche Ertragsmisere nur dürftig verschleiert, klärte KHD-Finanzchef Rolf Selowsky auf: Wirklich verdient wurden nur noch 3,70 Mark pro Aktie gegenüber 12, 16 und 18 Mark in den drei Vorjahren.

Die auf der HV nicht monierten schlechten Geschäfte der Kölner sind schon seit dem Herbst vorigen Jahres Zielscheibe massiver Kritik. So wies die Presse Karl-Heinz Sonne darauf hin, daß es in seinem Lkw-Reich bereits fünf Minuten vor zwölf, daß seine Geschäftspolitik fragwürdig und er selbst ein „Versager des Jahres“ („Capital“) sei. Sonne dazu: „Seit gut einem Jahr gibt es ein konzentriertes Schießen gegen KHD.“ Der Höhepunkt der Kritik aber wird erst in der nächsten Woche auf Sonnes Schreibtisch flattern.

Das Hamburger „Manager Magazin“, vom Spiegel und dem US-Großverlag McGraw Hill als Spezialblatt für deutsche Bosse stilisiert, deutet Sonnes Tätigkeit als klaren Fall von Mißmanagement. Die Managerfreunde drucken die Vermutung: „Es ist kurz vor Sonne-Untergang.“

Der Blattschuß aus Hamburg trifft einen erfolggewohnten Manager. Als Karl-Heinz Sonne im Herbst 1965 von KHD-Großaktionär Günter Henle gerufen wurde (die Familie Klöckner-Henle hält über 50 Prozent des KHD-Aktienkapitals), hatte er gerade die Bayerischen Motoren Werke gemeinsam mit Paul G. Hahnemann saniert. In Köln übernahm Sonne einen unübersichtlich organisierten Konzern, der gerade in die roten Zahlen geschlittert war. Sonne brillierte. Innerhalb von zwei Jahren sorgte er für die Rückkehr zu ansehnlichen Gewinnen.

Der Tiefschlag im vergangenen Jahr kam nicht aus heiterem Himmel: Bei KHD wird schon seit Ende 1970 eisern gespart. Die Härte des Gewinneinbruchs erklärt Sonne mit dem „binnenwirtschaftlichen Kostensturz“ und dem „Zeitzünder“ Währungspolitik. Aufwertung und Floating allein haben, so Sonne, die Konzernkasse im vorigen Jahr um 110 bis 125 Millionen Mark belastet. Doch Sonne hat bereits für dieses Jahr „den Abglanz eines Silberstreifens“ ausgemacht.