Von Friedrich Erbslöh

Bei der zunehmenden Kritik am Chefarzt-System geht es immer auch um die zum Teil recht hohen Bezüge der Chefärzte. Von verschiedenen Seiten wird gefordert, den Chefärzten ihr privates Liquidationsrecht zu entziehen und ihnen statt dessen feste Gehälter zu zahlen. Zu solchen Forderungen nimmt, aus der Sicht des Chefarztes, Professor Friedrich Erbslöh Stellung, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Gießen.

Zum Problem des Liquidationsrechts der Chefärzte wird immer wieder das Argument angeführt, der Chefarzt entziehe durch sein privates Liquidationswert der Klinik beziehungsweise dem Krankenhausträger erhebliche Einnahmequellen. Dadurch würde die defizitäre Haushaltslage der Krankenhäuser noch weiter verschärft. Daraus wird dann gefolgert, der Verzicht der Chefärzte auf ihr Liquidationsrecht und die teilweise gänzliche Übertragung des ärztlichen Honorars für Privatpatienten auf die Krankenhäuser selbst würde ihre finanzielle Situation entscheidend verbessern können. Diese Vorstellungen und Vermutungen gehen an der Wirklichkeit weit vorbei.

Der Preis, der vom Krankenhaus für die Betreuung der Patienten verlangt wird, ist in der allgemeinen Pflegeklasse pauschaliert und schließt, von besonders kostspieligen Leistungen abgesehen, die Unterbringungs-, Verpflegungs-, Pflege-, Arzneikosten sowie die technischen und ärztlichen Leistungen mit ein.

Den Privatpatienten – dazu gehören alle Privatversicherten und -zusatzversicherten sowie in der Regel die Beamten – werden dagegen vom Krankenhaus außer dem Pflegesatz für Unterbringung und pflegerische Betreuung sowie Ernährung alle medizinischtechnischen und therapeutischen Leistungen extra berechnet. Dadurch muß der Privatpatient das Mehrfache des Pauschalpreises der allgemeinen Klasse dem Krankenhausträger bezahlen, je nach dem Ausmaß seiner Versicherung werden ihm diese hohen Preise teilweise zurückerstattet. Da der Privatpatient durch Unterschrift bekundet, daß er persönlich vom Chefarzt behandelt zu werden wünscht, bringt der Chefarzt dementsprechend dem Krankenhausträger für seine Privatpatienten das Mehrfache des Pauschalpreises ein, der für den Kassenpatienten erstattet wird.

Der Chefarzt darf nun für die von ihm persönlich oder unter seiner Verantwortung durchgeführten ärztlichen Leistungen – nicht etwa für die gesamte Krankenhausbetreuung und -versorgung – nach einer Gebührenordnung liquidieren, während der Preis für die ärztliche Leistung sonst in den Pauschalpreisen mit einbegriffen ist. Die ärztlichen Mitarbeiter des Betriebes, die an der ärztlichen Tätigkeit mitwirken, werden angemessen an dem ärztlichen Honorar beteiligt, in der Regel auf Grund von Vereinbarungen, die zwischen dem Chefarzt und dem Marburger Bund als der Berufsvertretung der angestellten Ärzte getroffen worden sind, oft jedoch noch über diese Sätze hinaus. Außerdem fordert das Krankenhaus noch eine prozentuale Abgabe, die zwischen 15 und 50 Prozent liegt, oder aber eine Sondersteuer als „Bettengeld“ vom Chefarzt zurück.

Der Klinik beziehungsweise dem Krankenhausträger fließen durch die ärztliche Versorgung der Privatpatienten durch den Chefarzt auf viererlei Weise zusätzliche Gewinne beziehungsweise Kostenersparnisse zu: