Bundestagskandidaten auf dem Prüfstand der Parteien

Von Gerhard Ziegler

Frankfurt/ Main

Ein Sommersamstag auf Frankfurts Hauptsache: Das Volk um Haupteslänge überragend, verkauft der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Hermann Schmitt-Vockenhausen (HSV), Beckmann-Poster. Das Stück für zehn Mark. Eine Bürgeraktion, um das Beckmann-Bild „Die Synagoge“ für Frankfurt kaufen zu können. Die Frage, ob er auch dem nächsten Bundestag angehören wird, beantwortet das Verkaufstalent HSV satzungsgetreu: „Darüber entscheiden die Delegierten.“

Bisher hatten sich die Delegierten immer noch mit großer Mehrheit für ihn entschieden, obwohl der Protest der jungen Genossen gegen das Mitglied des konservativen Verbands „Freiheit der Wissenschaft“ nie nachgelassen hat. Jetzt hat sich sogar ein „Aktionskreis“ formiert, um einen Gegenkandidaten gegen HSV aufzubauen: Franc von Auer, Pressereferent der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Es sei an der Zeit, so meint der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Groß-Gerau (Wahlkreis 143, Walter Guckes, „den in zunehmendem Widerspruch zur Partei geratenen HSV abzulösen“.

Kein Freiraum

Damals, als 1969 die Kandidatenaufstellung lief und HSV alle Stürme überstand, hatten sich die Jungsozialisten vorgenommen: 1973 ist er fällig. Aber in der prekären Situation, in der sich die SPD heute durch den vorgezogene! Wahltermin befindet, ist die Festung HSV so gut wie uneinnehmbar. Nachdem die CDU/CSU ihren Wahlkampf auf die Panikformel „Gefahr von links“ eingestellt hat, ist der rechte SPD-Flügel ein Tabu geworden, gibt es keinen Freiraum mehr für Kandidatenexperimente.