Bisher war es üblich, für jede Anleihe Urkunden im entsprechenden Wert drucken zu lassen. Dem Besitzer dieser Urkunden steht es frei, die Stücke von seinem Kreditinstitut „verwalten“ oder sie sich aushändigen zu lassen. Von der Selbstverwahrung ist in letzter Zeit immer weniger Gebrauch gemacht worden. Das ist verständlich. Denn die Selbstverwahrung erfordert Arbeit, weil Zins- und Tilgungstermine kontrolliert werden müssen. Außerdem trägt der Selbstverwahrer das Verlustrisiko.

Andererseits hat die Eigenverwaltung der Urkunden auch Vorteile. Anleihestück und Zinsschein sind nicht auf den Namen einer bestimmten Person ausgestellt. Es handelt sich um sogenannte Inhaberpapiere. Gegen Vorlage des fällig gewordenen Kupons zahlt jedes Kreditinstitut die Zinsen aus, ohne daß sich der Einlösen legitimieren muß. Gleiches gilt für die Rückzahlung.

Wer also auf Anonymität Wert legt, läßt sich die Stücke aushändigen. Bei bestimmten Käufergruppen des Auslandes war dies bisher die Regel. Aber auch Inländer haben bislang aus naheliegenden Gründen auf die Vorteile der Wertpapierverwahrung durch ein Kreditinstitut verzichtet.

Gelegentlich werden auch Wertpapiere verschenkt. Dann macht es sich wirkungsvoller, wenn man eine Originalurkunde überreichen kann statt eines „Wertrechtes“, also praktisch eines profanen Bankauszuges.

Eines, meine verehrten Leser, soll hier klargestellt werden: „Ausgedruckte“ Bundesanleihen und die neue Wertrechtanleihe des Bundes sind vom Standpunkt des Anlegers gleich sicher. Der Unterschied liegt im Grunde nur im Organisatorischen. Ein Vorzug der Wertrechtanleihe muß hier erwähnt werden: Ihr Erwerb und Handel ist von der Börsenumsatzsteuer befreit. Sie beträgt ein Promille.

Für den Emittenten, also in diesem Falle für den Bund, liegt der Vorteil auf der Hand. Er braucht für den aufzuwenden. Nun bezweifeln vieleLeute, daß gerade jetzt in Bonn der Hang zur Sparsamkeit ausgebrochen ist. Vielmehr vermutet man andere Gründe für die „Wertrechtanleihe“. Sie liegen in der besseren Möglichkeit der Überwachung. Wäre nämlich die neue Bundesanleihe nicht als Wertrechtanleihe auf den Markt gekommen, sondern als Inhaberschuldverschreibungen, so könnte der Verbleib der Stücke nur sehr unvollkommen kontrolliert werden. Ein Abwandern ins Ausland über einige Zwischenstationen ließe sich unschwer bewerkstelligen. Und gerade das ist nach den kürzlich in Kraft gesetzten Bestimmungen des Paragraphen 23 des Außenwirtschaftsgesetzes verboten. „Gebietsfremde“ dürfen danach keine festverzinslichen Wertpapiere inländischer Emittenten ohne besondere Genehmigung mehr erwerben. Und Genehmigungen dafür gibt es praktisch nicht.

Eine Regierung, die auf diese Weise den freien Kapitalverkehr einschränkt, muß sich Gedanken darüber machen, wie Verbote umgangen werden. So könnte die neue Wertrechtanleihe schon die Frucht solcher Überlegungen sein. Sie macht nämlich Verstöße gegen den Paragraphen 23 schon durch ihre Konstruktion unmöglich.