Die Landeskonferenz der Kommunistischen Partei Rumäniens, die Freitag voriger Woche zu Ende ging, hat ein ehrgeiziges Programm wirtschaftlichen Wachstums beschlossen, das – nach den neu gegründeten Institutionen zu urteilen – alle Reformansätze aus dem Jahre 1967 zugunsten eines verstärkten Zentralismus wieder aufhebt. Vor 2220 Delegierten und 500 Gästen hatte Staats- und Parteichef Ceausescu in einem sechsstündigem Marathonreferat besonderes Gewicht auf Wirtschaftsfragen gelegt: Industrialisierung (noch arbeiten 47 Prozent der Bevölkerung in der Landwirtschaft) bis 1990 – zu diesem Zeitpunkt soll die entwickelte sozialistische Gesellschaft erreicht sein –; mehr Export wettbewerbsfähiger Güter, höhere Produktion und größere landwirtschaftliche Erträge.

Ceausescu übernahm den Vorsitz im neu eingerichteten Obersten Rat für wirtschaftlich-soziale Entwicklung. Das Zentralkomitee wurde auf seinen Wunsch um 20 Mitglieder seines Vertrauens vergrößert. Zahlreiche Funktionäre übten Selbstkritik: Es sei ihnen nicht gelungen, Unzulänglichkeiten zu vermeiden, und zwar gerade in jenen Bereichen, in denen Ceausescu nun ein noch größeres Machtpotential gewonnen hat. Die Kritik ließ nicht auf sich warten: Ungarn warnte prompt vor einer „Mystifizierung der Souveränität“.