Seit zwei Jahren schon, so sagt er, habe er sich mit dem Gedanken getragen, aus der SPD auszuscheiden. Vor zwei Monaten noch, so mußte er zugeben, hat er sich beim SPD-Bundesgeschäftsführer um die Kandidatur für ein sozialdemokratisches Mandat im nächsten Bonner Parlament beworben.

Als Helmut Schmidt die Nachfolge Karl Schillers antrat und sein Nachfolger auf der Hardthöhe, Georg Leber, den Verteidigungs-Staatssekretär Günter Wetzel aus dem Urlaub an der Algarve zurückrief, meldete er sich bei seinem neuen Minister freudig zum Dienstantritt. Erst die Mitteilung, er sei zitiert, um entlassen zu werden, ließ Günter Wetzel den Entschluß so schnell wie in einem Autoklaven reifen: Mit dem Amt gab er auch der Partei den Abschied, der er doch alle bisherigen Ämter seiner ungewöhnlich steilen Karriere zu verdanken hatte.

Das Urteil über Wetzel: ein fähiger Fachmann, mag Herbert Wehner bewogen haben, den in Hessen als Spitzel-Anwerber erfolglosen Prädikatsjuristen nach Bonn zu holen. Das Urteil über Wetzel: ein fähiger Opportunist, wird durch seinen Wechsel zur CDU zwingend. Politische Skrupel – er hatte sie wohl. Aber seine Entscheidungen machte er nicht davon abhängig, solange seine Karriere gesichert schien. H. Sch.