Ceausescus Hurra-Kommunismus: Kein Reformersatz

Von Andreas Kohlschütter

Nicolai Ceausescu, der „geliebte Sohn des rumänischen Volkes“, wird immer einsamer – trotz der berauschenden Jubelkulisse, die der 54jährige Staats- und Parteichef letzte Woche in Bukarest auf der kommunistischen Landeskonferenz wieder einmal aufbauen ließ. Zu frenetischen Ceau-ses-cu-Rufen erhoben sich die über zweitausend Delegierten immer wieder von ihren Sitzen, unterbrachen die sechsstündige Monsterrede ihres „Conducatorul“, ihres großen Führers; und hießen, seine Thesen diskussions- und kritiklos gut. Die Ovationen galten dem Mann, der heute in Rumänien mehr Macht in seinen, Händen vereint als Breschnjew in der Sowjetunion. Beklatscht und gefeiert wurde der Alleingänger Ceausescu.

Er ließ sich huldigen als – „kühner Seher“, der Rumänien in eine „goldene Zukunft“ führt, als „Vorbild unbeirrbarer Entschlossenheit“. Ihm zollten Parteivasallen höchsten Tribut: „Wir preisen uns glücklich, Kamerad Ceausescu, Ihr Zeitgenosse zu sein.“ Im Parteiorgan Scinteia würde der Personenkult in poetische Höhen hinaufgetrieben: „Im Rauschen der Wälder, im Gedröhne der Straßen wiederholt sich ein Name, der junge, stolze, heldenmütige, der heißgeliebte Name; Ceausescu.“

Ceausescu aber gab sich mit Huldigungen nicht zufrieden. Er wollte noch mehr Macht, und er erhielt sie. Einstimmig erkor ihn die Landeskonferenz zum Vorsitzenden des neugeschaffenen Rates für wirtschaftliche und soziale Entwicklung, dem neuen Führungsorgan für die gesamte rumänische Wirtschaftsplanung. Gleichzeitig wurde das Zentralkomitee mit vierzig Ceausescutreuen Mitgliedern aufgestockt, zu denen auch die wenig populäre First Lady, Elena, gehört, die seit Ceausescus; Chinareise im vergangenen Sommer immer mehr ins politische Rampenlicht getreten ist. Nach der Frühlingssäuberung des Parteisekretariates hat sich Ceausescu jetzt auch das „Parteiparlament“ nach seinem Willen und auf sein Maß zurechtgeschneidert.

Es gibt ernstzunehmende Anzeichen dafür, daß Ceausescu diesen jüngsten Machtschub vor allem brauchte, um mit innenpolitischen Spannungen und parteiinternen Gegnern fertigzuwerden. Zweimal schon, so heißt es in Bukarest, sei der Parteichef in den letzten Wochen und Monaten vom alten, noch widerspenstigen ZK überstimmt worden. Die in letzter Minute erfolgte Verschiebung der angekündigten Reisen Ceausescus nach Japan und in die Bundesrepublik läßt in der Tat auf schwache Stellen an der Heimatfront schließen. Der rhetorische Schlagabtausch zwischen Ceausescu und Ministerpräsident Maurer, machte dies deutlich:

Mehr Schweiß, mehr Arbeit