Bremerhaven

Die Seestadt Bremerhaven nennt sich gern „jung, modern, weltoffen“, um sich gegenüber der großen, manchmal etwas behäbigen Schwester Bremen zu profilieren. Jetzt aber ist Bremerhaven mit seinem Selbstlob in einen Zwiespalt geraten: Die Existenz des Zweistädtestaates Bremen ist in Frage gestellt. Wägt man die Argumente der Ernst-Kommission für eine Länderneugliederung ab, so besitzen sie gegenüber einer eigenständigen Hansestadt das größere Gewicht.

Die Bremerhavener sehen deshalb einerseits mit Schrecken den Zeitpunkt kommen, daß die munter sprudelnde Bremer Geldquelle eines Tages versiegen wird; andererseits sehen sie aber auch die Chancen für ein. Wirtschaftswachstum ihrer Stadt.

Die cleveren Kommunalpolitiker haben; nun die Flucht nach vorn angetreten. Solange sie noch ausgiebig von Bremens Finanzen zehren können, solange sie auf Grund der verfassungsrechtlichen Situation die Freiheiten einer hanseatischen Selbstverwaltung erhalten können, solange versuchen sie mit aller Kraft die städtische Infrastruktur entscheidend zu verbessern.

Das Deutsche Schiffahrtsmuseum, am Alten Hafen im Bau, ist bald fertig; in diesem Herbst beginnen die Bauarbeiten für ein Schwerpunktkrankenhaus (rund 146 Millionen Mark) und für eine neue Stadthalle mit Eislaufplatz. Wenn in zehn Jahren dann noch die Abrundung der Innenstadt um das sogenannte Columbus Center beendet sein wird, kann die Länderneugliederung Bremerhaven nicht mehr erschüttern: Die Landesgrenze fällt dann weg, die heute noch die Strukturpolitik behindert. Die Seestadt kann dann in einem größeren Bundesland auf eine Verbesserung ihrer einseitigen Wirtschaftsstruktur hoffen.

Hans Petersen, Kommunalpolitischer Redakteur der

„Nordsee-Zeitung“