Noch vor wenigen Jahren standen sich Sparkassen und private Banken meist spinnefeind gegenüber. Doch Anton Ernstberger, Vorstandssprecher der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank, hält nicht viel von solchen Tabus bei der Zusammenarbeit mit anderen Institutsgruppen. Wie erst jetzt bekannt wurde, schloß er schon vor Monaten einen Kooperationsvertrag mit der Zentrale der bayerischen Sparkassen (siehe Seite 38).

Heute läßt sich nur schwer sagen, mit welchem Inhalt dieser Vertrag ausgefüllt werden soll und wie er in der Praxis des täglichen Geschäfts funktionieren wird. Dennoch hat der erste Pakt zwischen einem öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut und einer privaten Bank in der Wirtschaft großes Aufsehen erregt. Die Konkurrenten, vor allem die Bayerische Vereinsbank, sehen darin eine empfindliche Störung des Wettbewerbs. Es wäre gar nicht verwunderlich, wenn sich das Bundeskartellamt mit dem Kooperationsvertrag befassen würde.

Auch wer die phantasievolle Strategie des Beteiligungsspezialisten Ernstberger bisher mit Sympathie verfolgte, kann angesichts dieses neuen Schachzugs ein ungutes Gefühl nicht loswerden. Es ist eigentlich nicht einzusehen, warum die Hypo-Bank derart überstürzt alle Fragen auf einmal lösen möchte. Schon bisher provozierte Ernstberger durch seine forsche Beteiligungspolitik die Kritik an der „Macht der Banken“. Er sollte nun etwas Fingerspitzengefühl zeigen.