Am 36. Jahrestag der „Erhebung von 1936“, dem Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, hat der 79jährige General Franco seine Nachfolge endgültig geregelt. Das Mitte voriger Woche veröffentlichte Dekret sieht vor, daß im Falle seines Todes der heute amtierende Vizepräsident, der 69jährige Admiral Luis Carrero Blanco, automatisch Regierungschef wird. Der designierte Monarch, Prinz Juan Carlos, ist innerhalb von acht Tagen zu krönen.

Damit ist die Nachfolge in zwei der vier Ämter, die Franco zur Zeit bekleidet – Staatsoberhaupt und Regierungschef – entschieden; offen ist sie noch in den beiden anderen Funktionen des Caudillo als Oberbefehlshaber der Armee und Chef der „Bewegung“.

Der Inhalt des Dekrets hat in Spanien nicht überrascht. Dennoch bedeutet es in doppelter Hinsicht eine Absage an wieder aufgekeimte Hoffnungen. Carrero Blanco, Intim-Freund Francos seit 30 Jahren, zählt zu den Erzkonservativen des Regimes und wettert gelegentlich in anonymen Zeitungsartikeln gegen den „Demoliberalismus“. Sein Verhältnis zu Juan Carlos ist gespannt. Der Prinz hat sich, nach einer Aussöhnung mit seinem Vater, vorsichtig für eine offenere Interpretation der spanischen Grundgesetze ausgesprochen. Dem hat Franco nun einen Riegel vorgeschoben und sein System noch über seinen Tod hinaus gesichert. Zwar kann Juan Carlos den Ministerpräsidenten entlassen, braucht dazu aber die Zustimmung des 18köpfigen „Rates des Königreichs“, in dem überwiegend Franco-Getreue sitzen.

Nicht minder deutlich ist die Absage an jede Form von Parteienbildung. Im Mai waren solche Wünsche wieder laut geworden: Entwicklungsminister Lopez Rodo, Technokrat und starker Mann des Kabinetts, hatte für „politische Assoziationen“ plädiert und die Ernennung eines Ministerpräsidenten in Aussicht gestellt. Der langjährige Arbeitsminister José Antonio Giron wollte eine gemäßigt-fortschrittliche Partei gründen.

Wie empfindlich Madrid auf alle Andeutungen reagiert, Franco könne regierungsunfähig sein oder werden, erfuhr die französische Zeitung Le Monde. Sie hatte gemeldet, Franco müsse sich einer Halsoperation unterziehen, was prompt dementiert wurde. Zwei Tage später hieß es dann offiziell, daß sich Franco einer – gelungenen – Operation unterzogen habe.