Daß Rauchen gesundheitsschädigend ist, vor allem das Zigarettenrauchen, daß es Herz- und Gefäßkrankheiten hervorruft oder verschlimmert, Lungen- und Blasenkrebs verursacht, das wird längst nicht mehr bestritten. Und ebenso gilt: Wer täglich zehn Zigaretten raucht,

setzt seine Lebenserwartung um etwa fünf Jahre herab, wer zwanzig raucht, sogar um acht Jahre.

Unbestritten ist freilich auch, daß dies Durchschnittswerte sind, die im Einzel- und Ausnahmefall nicht eintreffen müssen (und welcher Raucher fühlt sich nicht als Ausnahme, zumindest so lange, wie es ihm gesundheitlich gutgeht!). Und schließe lich hat ja jeder das Recht, so viel zu rauchen, wie er will – vorausgesetzt allerdings, daß es nur sein eigenes Leben ist, das er dabei verkürzt.

Hier liegt nun aber das Problem, das sich immer dringlicher stellt. Denn unbestritten ist jetzt auch, daß das Passivrauchen (wenn Nichtraucher in geschlossenen Räumen über eine längere Zeit Tabakrauch einatmen) nahezu so gefährlich ist wie aktives Rauchen. In einem wissenschaftlichen Gutachten der Forschungsstelle für präventive Onkologie (Klinische Fakultät Mannheim, Universität Heidelberg) schreibt deren Leiter, Professor Dr. med. F. Schmidt: „Familien, in denen zwei oder mehr Erwachsene rauchen, leben in einer stärker verschmutzten Umwelt, als wenn sie mitten auf (nicht an) einer verkehrsreichen Großstadtstraße wohnen würden.“

Das mag nach Übertreibung klingen. Doch haben neuere Untersuchungen ergeben, daß der sogenannte Nebenstrom einer Zigarette, der in den Zugpausen entsteht und dem der Nichtraucher ebenso ausgesetzt ist wie der Raucher, infolge unvollständigen Verbrennens – so Professor Schmidt – „dreimal soviel des stark krebserzeugenden 3,4-Benzpyrens enthält wie der Hauptstrom“.

Man habe, heißt es in dem Gutachten weiter, „bei Mäusestämmen mit erhöhter Lungentumoranfälligkeit eine Steigerung der Zahl von Lungengeschwülsten durch Passivrauchen von 59 auf 91 Prozent“ erreicht. Das sei deswegen so „besonders bemerkenswert, weil Mäuse – im Gegensatz zum Menschen – ein stark verzweigtes Nasengangsystem aufweisen, das den größten Teil der schädlichen Inhaltsstoffe des Tabakrauches zurückhält“.

Auch an dem giftigen Kohlenoxid (CO) ist der Nebenstrom reicher als der Hauptstrom. Aufnahme von CO erschwert die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn. Als Folgen nennt das Gutachten Kopfschmerz und Nachlassen der Konzentrations- und Merkfähigkeit und des Urteilsvermögens.