Die konservative Regierung des britischen Premierministers Heath ist, nach der Affäre um Innenminister Maudling, durch zwei Entwicklungen in eine schwere Krise gestürzt worden.

In Nordirland kam es nach dem Blutsonntag von Londonderry zum „blutigen Freitag“ von Belfast. Im Zentrumder Hauptstadt explodierten um die Mittagszeit innerhalb von knapp 90 Minuten 26 Bomben, die neun Menschen töteten und fast 130 verletzten, darunter 52 Frauen und Kinder.

Unmittelbar nach der Terrorwelle, für die sich die IRA verantwortlich erklärte, begannen britische Truppen, katholische Stadtviertel zu durchkämmen. Bis zum Montag hatten sie über eine halbe Tonne Sprengstoff, eine „Bombenfabrik“, zahlreiche Waffen und mehr als 11 000 Schuß Munition sichergestellt.

Ziel der IRA-Aktion ist offenbar, jedenpolitischen Lösungsversuch zu sabotieren und zugleich einen Keil zwischen die Bevölkerung und die Armee zu treiben: Die verhaßten Durchsuchungen haben das Klima zwischen Katholiken und Soldaten denn auch sofort verschlechtert.

Nordirlandminister Whitelaw und Verteidigungsminister Carrington kündigten – unter Zustimmung auch der Labour-Opposition im Unterhaus – drastische Maßnahmen gegen die Terroristen an. Die protestantische Organisation Ulsters UDA hat gedreht, die Liquidierung der IRA selbst in die Hand zu nehmen, sollte ihr nicht binnen einer Woche das Handwerk gelegt sein.

Schwerwiegender noch als das Ende der Aussöhnungspolitik in Nordirland ist für Heath eine Serie von Proteststreiks, die sich Anfang der Woche zu einem (illegalen) Generalaustand auszuweisen drohten, Ursache ist de Verhaftung von fünf Führern britisch Hafenarbeiter, Die Arbeiter hatten in den letzten Wochen – teils aus Sorge um die Arbeitsplätze, teils aus innergewerkschaftlichen Zänkereien – Containcranbgen durch Streikposten lahmgelegt.

Nach der Mißachtung eines Urteils des britischen Arbeitsgerichts, das diese Aktionen verbot, waren die Anführer der Streikenden am Freitag verhaftet worden. Am Dienstag hatten die Sympathiestreiks die ganze Insel erfaßt. Die Regierung zeigte sich aber nicht bereit – wie von den Gewerkschftengefordert –, das Gesetz über die Arbeitsbeziehungen „auf Bis zu legen“.