Für die Industrie ist München eine willkommene Werbeveranstaltung

Otto Betz, 1927 Deutscher Meister im Hochsprung, hat in den vergangenen sechs Jahren der deutschen Wirtschaft Höchstleistungen an Spendenfreudigkeit abverlangt. Als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Vereins zur Förderung der Olympischen Spiele in München hat der vor kurzem pensionierte Siemens-Wissenschaftler Sachspenden und Leistungen im Wert von 40 Millionen Mark und weitere 1,5 Millionen Mark Bargeld locker gemacht.

Während sich die Industrie zunächst über das „olympische Schnorrertum“ beklagte, möchte jetzt, wenige Wochen vor Beginn der Spiele, niemand mehr an solchen olympischen Defaitismus erinnert werden. „Das sind wir doch unserem Ansehen schuldig“, heißt es jetzt. Alle stimmen nun in die Devise ein, die Betz schon 1968 ausgegeben hatte: „Dabei sein ist wichtig – nicht der Gewinn.“

Die deutsche Autoindustrie etwa, die zunächst gar nicht so leicht zu überzeugen war, daß sie einige tausend Autos dem Olympischen Organisationskomitee Wochen oder gar Monate lang zur Verfügung stellen sollte, sieht den olympischen Service heute als „selbstverständlich“ an. Die Organisatoren hatten zu Beginn der Gespräche ihren Bedarf an kostenlosen Leihwagen auf 3300 Stück beziffert. Man einigte sich dann auf immerhin 2300 Personenwagen, 270 Busse und fast 40 Lastwagen.

Am spendabelsten war das Volkswagenwerk mit nahezu 800 Wagen verschiedener Typen. BMW ist mit einer Quote von 120 Stück beteiligt, steuert jedoch weitere 70 Autos für das Deutsche Olympia-Zentrum Radio Television (DOZ) und zehn Wagen für den Bedarf der Stadt München sowie 70 Motorräder für Verkehrskontrollen der Polizei und Ehreneskorten bei. Und der BMW-Elektroversuchswagen fährt als abgasfreier Schrittmacher den Marathon-Läufern voran.

Da das Olympia-Gelände unmittelbar vor der Haustür der Bayerischen Motoren-Werke liegt, überläßt das weiß-blaue Renommierunternehmen dem Olympia-Komitee für die Dauer der Spiele seine beiden Parkhäuser und die Kantine, während die BMW-Belegschaft gerade Betriebsurlaub macht. Es versteht sich, daß das Auto-Unternehmen seinen Olympia-nahen Standort als günstige Werbemöglichkeit („Nachbarn Olympia – BMW“) nutzt.

Diese Chance für Eigen-Werbung entdeckten auch die Wilhelmshavener Olympia-Werke. Sie spendieren leihweise 6700 nagelneue Schreibmaschinen mit den verschiedensten Tastaturen für die Büros der Olympia-Organisatoren und für die Reporter aus aller Welt, die darauf Berichte in ihren Sprachen schreiben können.