Die Menschheit zerfällt in Bayern und Nichtbayern. Der Bayer tarockt, wenn er nicht gerade rauft, er erfindet einen neuen Fluch, wenn er nicht gerade jodelt, fensterlt, wenn er nicht gerade wildert, trinkt Bier, wenn er nicht gerade schuhplattelt. Die Bayern sind halt ein wenig kauzig, die Texaner Deutschlands sind sie, Urviecher allesamt.

Früher erkannte man den Bayern an der Lederhose. Heute tragen auch die Touristen aus Essen und Hannover derlei Beinkleid. Daher erkennt der Bayer den Bayern hauptsächlich daran, daß er Oachkatzlschwoaf sagen kann, ohne daß ihm die Pfeife ins Bierkrügerl fällt. Der Nichtbayer erkennt den Bayern daran, daß dieser ihn erkennt und „Breiß“ nennt. Und zusätzlich „Host mi?“ fragt, was auf nichtbayrisch soviel heißt wie „Kannste mir folgen?“ Der Nichtbayer schweigt, denn natürlich kann er nicht.

Seit neuestem freilich kann er mitreden. Denn rechtzeitig zu den Olympischen Spielen hat Polyglott den „Sprachführer Bairisch“ herausgebracht. „Was dem Russischen und Maltesischen recht, sollte dem Bairischen billig sein“, sagte der Münchner Verlag, nahm ein Klischee und druckte damit weiß-blaue Rauten auf das Bändchen für Nichtbayern. Für 1,80 Mark wird dem Fremden der Weg in die Berge geebnet. Auf 32 Seiten Lautschrift wird das Bairische ins Deutsche übertragen. Überschriften erleichtern die Büffelei. Da steht etwa „Körper- und Kleiderpflege“, und dazu hat der Polyglott-Übersetzer Kamm, Zahnbürste und Kleiderbügel zeichnen lassen. Kein Problem also, vom Duck Donald auf den Huber Loisl umzusteigen.

Der Nichtbayer kommt also auf die Polizeiwache. Als polyglottgläubiger Mensch sagt er trotz heftiger Kopfpein ganz fließend und dabei auf einen gleichfalls blutenden Bayern weisend: „Hea Wachmoasda, dea hod mar an Maßgruag afn Schädl kaud.“

Wer aus Hameln nach Bayern reist, muß natürlich durch den Zoll, und deshalb wappnet Polyglott ihn „An der Grenze“ mit einem Verteidigungsspruch: „I woaß need, wia dees in mei Daschn neikimdd.“

Im Restaurant macht sich der Berliner herrlich bayrisch, wenn er statt Leberknödelsuppe und Möhrensalat Lewagnedlsubbm und Gäiweruamsolod verlangt. Wir möchten freilich über Polyglott noch ein wenig hinausgehen und dem studierten Halbbayern raten, doch vor dem Schritt in die Praxis ausgiebig zu üben. Host mi?

Wenn nämlich die Serviererin den Akzent durchhört, könnte sie glauben, sie soll auf den Arm genommen werden. Sollte dies geschehen, dann könnte sie als weiß-blaue Texanerin den Maßgruag schwingen. Sollte dies geschehen, dann muß der Patient Seite 29 aufschlagen und, nun aber wirklich akzentfrei, sagen: „Kena Se mir an gscheidn Dogdda song?“ peter Ernst