DIE ZEIT

Zu radikal?

Es war zu erwarten, daß die Pläne einer SPD-Kommission zur Reform des Bodenrechts auf den Protest der Betroffenen stoßen würden.

Sadat in der Klemme

Wenn die großen Herren, die bisher in Feindschaft lebten, sich zusammen an einen Tisch setzen, dann läuft es den Kleinen kalt den Rücken herunter.

Warschaus Wunsch

Diesseits der Elbe werden die kommunistischen Regime zuweilen beneidet, weil das Regieren angeblich soviel leichter ist, wenn die Regierung bestimmen kann, was berichtet werden darf und was geheimgehalten werden muß.

Ein Opportunist

Seit zwei Jahren schon, so sagt er, habe er sich mit dem Gedanken getragen, aus der SPD auszuscheiden. Vor zwei Monaten noch, so mußte er zugeben, hat er sich beim SPD-Bundesgeschäftsführer um die Kandidatur für ein sozialdemokratisches Mandat im nächsten Bonner Parlament beworben.

Zeitspiegel

Es ist kein Geheimnis, daß der Vertrag für die Nichtweitergabe von Atomwaffen weitgehend durchlöchert ist: Man kann in relativ kurzer Zeit über die friedliche Gewinnung nuklearer Energie atomare Waffen herstellen.

Konflikt mit Sadat: Moskau prüft die Alternativen

Wenn man nach den Kommentaren Moskaus geht, ist die Entlassung der sowjetischen Militärberater durch Ägypten nur ein weiterer Schritt in den sich verbessernden Beziehungen der beiden Länder.

Bonner Entwicklungshilfe: Das programmierte Risiko

Der Eklat um den Deutschen Entwicklungsdienst (DED) in Bolivien scheint Immer noch nicht ausgestanden. Von allen Vorwürfen des Anden-Staates erwies sich zwar nur ein einziger als begründet – der DED-Beauftragte Gerd Merrem hat tatsächlich dem über Nacht zum Staatsfeind gewordenen Rektor der Universität von Santa Cruz die Flucht ermöglicht –, aber die Bonner Opposition schießt munter weiter: nicht nur gegen den angeblich total politisierten DED, sondern auch und vor allem gegen den zuständigen Minister Eppler.

KP-Konferenz in Bukarest: Einsam im Jubel

Nicolai Ceausescu, der „geliebte Sohn des rumänischen Volkes“, wird immer einsamer – trotz der berauschenden Jubelkulisse, die der 54jährige Staats- und Parteichef letzte Woche in Bukarest auf der kommunistischen Landeskonferenz wieder einmal aufbauen ließ.

Der Fall MacLeod: Stunde der Anfechtung

Teile der westdeutschen Polizei erwecken den Eindruck von Panik und Gleichgültigkeit“, schrieb die konservative Londoner Times vor vier Wochen nach der polizeilichen Exekution des Schotten Ian MacLeod in Stuttgart, „und ihr Vorgehen erscheint dem von Sturmtruppen angemessener als dem von Hütern der Gesetze.

Streiks lähmen Großbritannien: Heath in Nöten

Wer je eine Phänomenologie politischer Lawinen schreiben sollte, kann sich jetzt in England reiches Material beschaffen. Ein paar lose, schon Jahre zurückliegende Geschäftsverbindungen lösten den Sturz des Innenministers Maudling aus.

Europäische Gemeinschaft: Endziel Freihandelszone?

Allen Krisen und Querelen zum Trotz ist Westeuropa fähig zum Fortschritt. Das hat sich am vergangenen Wochenende in Brüssel gezeigt, als das Europa der Zehn und die sechs übriggebliebenen Efta-Staaten feierlich ihren Willen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit bekundeten.

Der tägliche Schiller

In einem Kommuniqué aus dem Hauptquartier in Aranno (Tessin) gab der Kommandant der Festung, Etta Schiller, bekannt, daß der Entscheidungsprozeß über die zukünftigen Absichten General Schillers noch nicht abgeschlossen ist.

Vor-Wahlkampf: Die Rechten sind tabu

Ein Sommersamstag auf Frankfurts Hauptsache: Das Volk um Haupteslänge überragend, verkauft der Vizepräsident des Deutschen Bundestages, Hermann Schmitt-Vockenhausen (HSV), Beckmann-Poster.

Lokalzeit: Flucht nach vorn

Die Seestadt Bremerhaven nennt sich gern „jung, modern, weltoffen“, um sich gegenüber der großen, manchmal etwas behäbigen Schwester Bremen zu profilieren.

Kurzschule Weißenhaus: „Da hat’s bei mir gefunkt“

In der Hohwachter Bucht zwischen Fehmarn Sund und Kieler Förde peitschen Regen und Wind die Ostsee. Hinter dem Deich, zwischen Ginsterbüschen und Sanddornhecken steht der Siemens-Lehrling Siegfried Hack in seinem gelben Ölzeug und blickt durch sein Fernglas in die rauhe See.

Olympiade der Spesenritter

Gewiß gibt es schon zu viele jener Olympia-Tüchtigen, die bis spätestens zum Ende der Milliarden-Supershow ihre Schäfchen ins trockene bringen wollen.

Friedensforschung: Krieg wider Willen?

Nach dem Erfolg der letzten SALT-Runde ist die Frage nach dem Sinn der Abschreckungssysteme erneut aktuell. Denn Nixon wie Breschnjew fordern die Entwicklung neuer Waffensysteme, die von der SALT-Übereinkunft nicht betroffen sind.

Heath unter Druck

In Nordirland kam es nach dem Blutsonntag von Londonderry zum „blutigen Freitag“ von Belfast. Im Zentrumder Hauptstadt explodierten um die Mittagszeit innerhalb von knapp 90 Minuten 26 Bomben, die neun Menschen töteten und fast 130 verletzten, darunter 52 Frauen und Kinder.

Rumänien: Ehrgeizige Pläne

Die Landeskonferenz der Kommunistischen Partei Rumäniens, die Freitag voriger Woche zu Ende ging, hat ein ehrgeiziges Programm wirtschaftlichen Wachstums beschlossen, das – nach den neu gegründeten Institutionen zu urteilen – alle Reformansätze aus dem Jahre 1967 zugunsten eines verstärkten Zentralismus wieder aufhebt.

Feierliche Unterzeichnung in Brüssel

Genau sechs Monate nach den EWG-Beitrittsverträgen mit England, Irland, Dänemark und Norwegen setzten am Samstagmorgen im Brüsseler Palais Egmont Vertreter von 16 europäischen Staaten 522 Unterschriften und Paraphen unter 3000 Seiten Vertragstext und schufen damit zum 1.

Namen der Woche

Für die Brandanschläge auf fünf Hamburger Kaufhäuser Mitte des Monats ist nach Angaben der Polizei eine sechsköpfige Anarchistengruppe verantwortlich.

Dokument der Woche: DDR – Abgrenzung

„Zur allseitigen Überlegenheit des Sozialismus über den Imperialismus haben wir gemeinsam durch erfolgreiche Arbeit bei der Erfüllung der Beschlüsse des VIII.

Vietnam: Hoffnung auf Erfolg

Die 151. Sitzung der Pariser Vietnam-Friedensgespräche brachte am Donnerstag voriger Woche keinen Fortschritt. Dagegen scheint es bei der 14.

Franco regelte seine Nachfolge

Am 36. Jahrestag der „Erhebung von 1936“, dem Beginn des Spanischen Bürgerkriegs, hat der 79jährige General Franco seine Nachfolge endgültig geregelt.

VR China: Wink an Japan

Die Volksrepublik China setzt ihre „Offensive des Lächelns“ mit beachtlicher Schnelligkeit fort. Ministerpräsident Tschou En-lai ließ den japanischen Oppositionsführer Kozo Sasaki wissen, daß der neue Regierungschef Tanaka jederzeit in Peking willkommen sei.

Ägypten: Sadats Motive

Das Dunkel um die Beweggründe des ägyptischen Präsidenten Sadat, aus denen er die sowjetischen Ausbilder nach Hause geschickt hat, ist nach derRede des Präsidenten vor dem Nationalkongreß der Arabischen Sozialistischen Union etwas gelichtet.

Die sogenannte Welt der Jungen

Da es ihn (wie mittelalterige Leser wissen) schon ziemlich lange, um nicht zu sagen „schon immer“, gibt, wird es ihn ja wohl geben.

Volle Mägen, linke Köpfe

In der Diskussion über die Renaissance des Marxismus und die damit zusammenhängende Auseinandersetzung an den Hochschulen wird oft übersehen, daß die ganze Bewegung von einem dogmatischen Bedürfnis der intellektuellen Jugend getragen wird: dem Bedürfnis nach geistiger Bindung, nach glaubhaften Werten; denn die Kehrseite der Freiheit ist die Orientierungslosigkeit.

Ernst Jünger bei den Neofaschisten: Ein Ruch von Grün

Alte Herren der Literatur, um die es still geworden ist, weil sie verdiente Ruhe genießen, sollte man nicht aufstören. Der Schriftsteller Ernst Jünger zum Beispiel behält wohl seine schwindende Lesergemeinde, auch wenn die Lorbeeren welken, die er zuerst auf dem Schlachtfeld, dann auf literarischem Feld und stets auch mit der Botanisiertrommel geerntet hat.

Argumente für und gegen: Hunde

Wer von uns hätte nicht schon auf "diesen Köter" geschimpft? Und wie viele von uns waren schon empört, wenn "dieser Köter" nun gerade ihr Liebling war? Müssen wir uns mit "diesen Kötern" abfinden? Doch ganz sicher nicht.

Expertenkommission untersucht Berliner Universitäten: Angeklagt: zwei Präsidenten

Die Präsidenten waren befremdet: So verlautete es im schönsten Hof- und Kanzleistil aus der Technischen und aus der Freien Universität in Berlin, als vergangene Woche der 109 Seiten starke Bericht einer von Bürgermeister Klaus Schütz berufenen Expertenkommission über den Zustand ihrer Hochschulen veröffentlicht wurde.

Hochverrat: Jane Fonda an der Front

Heinz Rühmann oder Roy Black zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt? Uschi Glas bei einer Wahlkampagne für Strauß vorübergehend festgenommen? Solche Meldungen würden bei uns als Aprilscherze abgetan.

Kunstkalender

Keine Großretrospektive, wie sie für die beiden andern ehemaligen Zero-Leute, für Mack in Berlin und Uecker in Hannover kürzlich eingerichtet wurde, aber einige gutgewählte Arbeitsproben: „Feuergouachen“ aus den Jahren 1962 bis 66 und neueste „Lichtplastiken“, Modelle für Pienes Olympiaprojekt, den „Lichtsatelliten“, das 30 Meter hohe kinetische Tag- und Nachtgestirn.

Zeitmosaik

Aus der Worpsweder Kunsthalle, in der zur Zeit aus Anlaß seines 100. Geburtstages eine Heinrich-Vogeler-Ausstellung stattfindet, wurde ein Selbstbildnis des 24jährigen Künstlers entwendet.

Die neue Schallplatte

„Europa-Hymne“ (Fassung für großes Orchester von Herbert von Karajan), Nationalhymnen der 17 Mitglieder des Europarats, Finale der 9.

Soldatis Schauspieler-Roman: Schicksal

Der Schauspieler, der Mensch, der mit Hilfe seiner Phantasie sich und den anderen etwas vormacht, ist das zentrale Interesse des Schriftstellers und Regisseurs Mario Soldati.

Ein Bildband aus der DDR: Spielzeug und Gouvernante

Fast möchte dem Leser der Kopf schwirren, doch ist es Manfred Bachmann, dem Verfasser etlicher Bücher über erzgebirgisches und Berchtesgadener Spielzeug, gelungen, sein mit Bienenfleiß zusammengetragenes Material in eine gewisse Gliederung zu bringen.

Ein neuer Günter Eich: Krallentiere in Prosa

Als man Günter Eich unlängst um die Selbstinterpretation eines Gedichts bat, antwortete er lapidar: „Ich lehne es immer und überall ab, mich zu mir und meinen Sachen zu äußern.

Orgien im Plusquamperfekt

Ein Buch mit Unbehagen zu lesen oder gar die Lektüre verärgert abzubrechen: das ergibt einen Sinn, weil ja beides wahrscheinlich nicht ohne guten Grund geschieht.

Kritik in Kürze

„Akrobat schöön“, von Charlie Rivel. Der Clown lebt in uns allen, und im weiten Rund der Manege deckt er alle Facetten des Menschenlebens auf.

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