Trotz eines merklichen Widerstrebens konnte der Vorstandsvorsitzende der Dortmunder Union Brauerei AG, Helmuth Böttcher, bei der Vorlage der Jahresbilanz 1971 nicht ausschließen, daß die Fusion seiner Brauerei mit der Berliner Schultheiss-Brauerei noch in diesem Jahr vor dem Auslaufen des steuerlichen Umwandlungsgesetzes über die Bühne geht. Nachdem sich Reemtsma von der DUB getrennt und Großaktionär Ernstberger von der Bayerischen Hypo- und Wechselbank seine bisherige Mehrheit zugunsten der Dresdner Bank auf eine Schachtelbeteiligung von mehr als 25 Prozent reduziert hat, ist der Weg zur Fusion mit Schultheiss frei, bei der die Bayern-Hypo und die Dresdner ihre Beteiligungen von jeweils 32 Prozent in einem Pool zusammengefaßt haben.

Das vergangene Jahr hat der DUB erhebliche Ertragseinbußen gebracht. Der ausgewiesene Gewinn stieg zwar von 13,3 auf 15,0 Millionen Mark, doch die innere Stärkung des Unternehmens wurde vernachlässigt. So war der hohe Gewinnausweis nur möglich, weil Sonderposten mit Rücklageanteil in Höhe von 13,4 Millionen Mark aufgelöst wurden, ohne daß entsprechende neue Rücklagen gebildet wurden. Die Einstellung in die freie Rücklage wurde auf 1,5 Millionen Mark halbiert, während die Rücklage für den Lastenausgleich leer ausging. Die Aktionäre erhalten auf das von 65,4 auf 75 Millionen Mark erhöhte Kapital unverändert 20 Prozent Dividende.

Doch die mit einer Fusion entstehenden Belastungen würden die vom Vorstand als vordringlich erachtete Konsolidierung der DUB-Gruppe, die 1971 4,57 Millionen Hektoliter Bier und 211 000 Hektoliter alkoholfreie Getränke absetzte, nicht stören. Die Schwierigkeiten beim Zusammenschluß der drei Brauereien Schwabenbräu und Hoefel, Köln, sowie Tivoli, Krefeld, und bei der Eingliederung der Schlegel-Brauerei, Bochum, die das Ergebnis belastet haben, seien jetzt beseitigt. Obwohl die DUB-Gruppe in den ersten fünf Monaten nur einen Umsatzzuwachs von 2,2 Prozent und einen um 3,15 Prozent höheren Ertrag erzielte, ist der Vorstand zuversichtlich, auch für 1972 wieder 20 Prozent Dividende verteilen zu können. mh