Neu in Museen und Galerien:

Düsseldorf Bis zum 16. September, Galerie Wendtorf + Swetec: „Otto Piene“

Keine Großretrospektive, wie sie für die beiden andern ehemaligen Zero-Leute, für Mack in Berlin und Uecker in Hannover kürzlich eingerichtet wurde, aber einige gutgewählte Arbeitsproben: „Feuergouachen“ aus den Jahren 1962 bis 66 und neueste „Lichtplastiken“, Modelle für Pienes Olympiaprojekt, den „Lichtsatelliten“, das 30 Meter hohe kinetische Tag- und Nachtgestirn. Auch die neue Produktion basiert auf dem alten Zero-Konzept vom Lichtballett. Rotierende Lichtquellen projizieren durch ein System ornamental strukturierter Öffnungen choreographisch gesteuerte Tanzfiguren in den Raum. Das hat immer noch, auch ohne den Innovationseffekt der frühen 60er Jahre, kinetische Attraktivität. Die älteren „Feuergouachen“ demonstrieren die gleiche romantisch-naturmystische Haltung wie die Lichtplastiken. Die Spuren und Verwandlungen des Lichts werden auf der malerischen Ebene materialisiert. Rauch und Ruß als Abfallprodukte des Feuers, als Brandmale und Zufallsspuren, werden in die geplante Bildtotale integriert. Diese Rauch- und Feuerkunst sind, im Sinne der 5. documenta, herausragende Beispiele einer individuellen Lichtmythologie.

Hannover Bis zum 24. September, Kestner-Gesellschaft: „Nicholas Krushenick“

Eine knallbunte und sehr fröhliche Malerei, die dem Betrachter den Optimismus vermitteln möchte, der irgendwann in den späten 50er und frühen 60er Jahren für typisch amerikanisch gehalten wurde. Krushenick versucht, den „spirit of pop“ in seine Bilder einzuschleusen, seine Munterkeit und Impertinenz. Was ihn vorschwebt, ist abstrakter Pop, was zwar paradox, aber nicht unvorstellbar ist, nur daß diese Zielvorstellung leider Krushenicks künstlerische Möglichkeiten übersteigt. Er scheitert gewissermaßen an seiner bemerkenswerten Naivität, die ihn einerseits daran hindert, sich ernsthaft für formale Probleme zu engagieren, und die andrerseits nicht ausreicht, den Gegenstand abstrahiert ins Bild einzubringen. Krushenick über die Herkunft seiner Bilder: „Ich gehe sehr viel in der City spazieren, wandere einfach herum und lasse mich visuell stimulieren: davon, wie eine Feuerleiter aufgehängt ist oder von einem Neonlicht, das irgendwo blinkt.“ Aber wenn der Betrachter nun etwa Feuerleiter oder Neonlicht im Bild ausmachen wollte, dann ist er auf dem Holzweg. Die Bilder haben keine reale Bezugsebene. Sie sind Flächendekoration. Krushenick beruft sich gern auf Matisse, den er für den größten Maler des Jahrhunderts hält und den er ins Amerikanische übersetzen möchte. Dabei kommen ihm Probleme der Op Art in die Quere, die Flächenmalerei soll zugleich Raumtiefe suggerieren. Die Fläche wird aufgebrochen, aufgeklappt, die Formen wölben sich, sie sollen einen Bildraum definieren, der dem flächendekorativen Konzept widerspricht. Offenbar ist konzeptuelle Unentschiedenheit ein durchgehendes Kriterium dieser Malerei, auf die der Betrachter, wenn sie ihm derart massiv (fast 100 Bilder), präsentiert wird, mit Mißvergnügen reagiert.

Gottfried Sello

Wichtige Ausstellungen: