Seit Abschluß des Verkehrsvertrages mit DDR sind die Passagierzahlen rückläufig

Egon Franke, Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen, stieg zufrieden aus seinem Dienstwagen. Nach „zügiger und schneller Abfertigung“’hatte er seine Testfahrt auf derlnterzonenautobahn von Helmstedt nach Westberlin unbehelligt von den Kontrollen der DDR-Grenzer und ohne Wartezeit beendet. Der Verkehrsvertrag, der mit dem Viermächteabkommen über Berlin am 3. Juni in Kraft trat, hat den Berlinverkehr zu Lande wieder flott gemacht.

Autofahrer können in ihrem Wagen sitzen bleiben, Gepäck- und Fahrzeugkontrolle entfallen und damit auch die oft stundenlangen Wartezeiten an den Kontrollpunkten. Seither registrierte der Berliner ADAC „einen sprunghaften Anstieg“ im Pkw-Verkehr von und nach der Inselstadt.

Die Freude der Autofahrer geriet indes den Berlin-Fluggesellschaften zum Ärgernis: Im Juni mußten Pan American World Airways, British European Airways und Air France einen bisher nicht gewohnten Rückgang ihrer Passagierzahlen verzeichnen. Der „Berlin-Flugverkehr“, so der Berliner Tagesspiegel, ist „im Abwind“.

In der Tat wurden im Juni 17 Prozent weniger Passagiere im Linienverkehr durch die drei Luftkorridore von und nach dem Berliner Airport Tempelhof befördert als noch vor einem Jahr. PanAm etwa büßte von Mai auf Juni rund 70 000 Passagiere ein.

Die größten Löcher im Berlin-Flug verzeichneten die sonst stark frequentierten „kurzen Strecken“ Berlin–Hannover und Berlin–Hamburg. So wurden im Juni fast 30 Prozent weniger Passagiere von und nach Hannover geflogen. Und die Hamburg-Linie verzeichnete ein Minus von 15 Prozent. Die München-Strecke mit einem Passagierverlust von elf Prozent und die Frankfurt-Linie mit minus 6,5 Prozent blieben dagegen unter dem Durchschnitt.

Doch auch die Halbjahresbilanz bringt den drei alliierten Liniengesellschaften kein Plus. Tempelhof verzeichnete knapp sieben Prozent weniger Jet-Reisende als noch vor einem Jahr. 2,5 Millionen Fluggäste passierten den Airport im Süden der Inselstadt. 1971 waren es insgesamt über 6,1 Millionen.