Wenn man, zum Abschluß des Urlaubs, um halb vier Uhr früh aufstehen mußte, weil man die Koffer vom Bungalow zur Abfahrtstelle zu schleppen hatte und weil die Wartezeiten vor den weiteren Abfahrten (Bus, Schiff, Bus, Flugzeug) nach dem Ratschluß der Reiseleitung reichlich bemessen sein sollten, möglichst nach Stunden;

wenn sich der Abflug dann unplanmäßig verzögert hat und man stundenlang im unklaren darüber gelassen wurde, warum und wie lange noch;

wenn die Chartermaschine dann endlich doch eingetroffen ist (nur ein Defekt auf dem Herflug, heißt es), die wartenden Gäste bis zum Abflug zu einem Lunch ins falsche Restaurant gerufen wurden, um im richtigen dann nicht mehr zum Essen zu kommen, weil – frohe Botschaft – der Flug tatsächlich aufgerufen wurde;

wenn trotzdem weiter gewartet werden mußte, erst in der Abflughalle, dann im Flugzeug, weil angeblich ein Bummelstreik des französischen Flugsicherungspersonals die Starterlaubnis verzögert hat, die allerdings den Dutzenden anderer Flugzeuge vorher pünktlich zuteil geworden war;

wenn eine andere Route offenbar nicht geflogen werden durfte, wahrscheinlich wegen des Mehrverbrauchs an Benzin, obwohl sich bei dem Pendelverkehr im Charter-Business jede Verspätung an Hunderte von Passagieren weiter und weiter reihen wird;

wenn es dann tatsächlich losgegangen ist, aber die Stimmung der Heimkehrer die Phase der Rebellion bereits weit hinter sich hat und selbst die Nachricht, man müsse nun noch drei weitere Tage warten oder beim Start schieben helfen, nur noch mit resignierter Apathie aufnähme – dann, ja dann mag es manch einem als ein nahezu festliches Ereignis erscheinen, wenn irgendwann die deutsche Grenze überflogen wird. Der Pilot kündigt es an. Zur Feier des Anlasses – so oder ähnlich beginnt er seine Durchsage, und man erwartet, er würde nun gleich das Deutschlandlied singen oder, da es sich um eine Maschine der „Bavaria“ auf dem Rückflug von Ibiza handelt, einen Jodler von sich geben. Jedoch erzählt er zur Feier des Anlasses einen Witz, einen blöden Witz, dessen vermeintlicher Humor auf Kosten eines Kindes mit einem Wasserkopf geht.

Wenn man nun aber diese Reise mit einem Kind macht, in dessen ersten Lebensmonaten einmal die Gefahr einer Hydrozephalus-Entwicklung bestanden hat, das jetzt versucht, mit seinen verbliebenen Handikaps fertig zu werden, dem man, zum Beispiel diesen ganzen Tag über, die Anstrengungen als normal, ja als geradezu fabelhaft hinstellen mußte, um seine Stimmung nicht auf den allgemeinen Tiefstand sinken zu lassen, und das nun angelegentlich nach der Pointe des Witzes fragt – dann allerdings fällt es schwer, nicht nach Entführerart ins Cockpit vorzudringen und diesem Piloten, der sich hoffentlich bereits in der syrischen Wüste notlanden sähe, eine Ohrfeige zu hauen. Sollen sie doch fliegen; auch Positionsangaben und meinetwegen Erläuterungen über Wolkenformationen sind willkommen. Piloten als Entertainer aber haben uns nicht gefehlt.

Dieter E. Zimmer