Klick-Klack-Erfinder Hansjoachim Prahl hofft auf ein neues Millionen-Geschäft

Kinderfreund Hansjoachim Prahl berichtet voll Stolz von seiner letzten Geschäftsreise: In München war man von dem neuen Spielzeug "außerordentlich angetan", und eine Münchner Gesellschaft hat "mehrere hunderttausend Exemplare bestellt". Angetan waren die Münchner von dem Geschicklichkeitsspiel "Five Up", das seit Ende Mai in "kleineren Mengen" in Selbstbedienungsgeschäften, Supermärkten und in den Warenhäusern von Kaufhof, Karstadt und Horten zum Preis zwischen 3,75 und 4,95 Mark verkauft wird.

"Five Up" ist nicht das erste Spielzeug, mit dem der Hamburger Kaufmann nebenberuflich deutsche Kinder beglückt. Im vergangenen Jahr erlangte Hansjoachim Prahl mit den nervtötenden Klackerkugeln "Prallies" bundesweite Berühmtheit. Lärmgeplagte Bürger drohten ihm mit Tod durch Erschießen und empfahlen ihm das Tragen einer schußsicheren Weste.

Die neueste Kreation des Kaufmanns (im Hauptberuf verkauft er Industrieausrüstungen) schont des Bürgers Ohr – Five Up ist ein Geschicklichkeitsspiel. Fünf Ringe, mit den olympischen Farben versehen, müssen die Spieler so in Schwung bringen, daß sie um den plastikbezogenen Metallreifen rotieren.

Ganz ohne Ärger für Prahl scheint es auch mit Five Up nicht abzugehen. In der Universitätsstadt Marburg beanspruchen ein Student, zwei Kaufleute und ein Arzt die Rechte an dem neuen Gag in der Kinderstube. Sie hatten Anfang Februar beim Patentamt in München den Antrag auf Erteilung eines Patents und auf Eintragung ihrer Erfindung in die Gebrauchsmusterrolle beantragt. Aber Prahl aus Hamburg kam ihnen zuvor. Der Hamburger hatte Five Up in Italien kennengelernt. Der Erfinder von Five Up, so berichtet er, hat die Patente und Vertriebsrechte für die ganze Welt an einen Schweizer namens Bächthold, der in Lugano residiert, verkauft. Und von ihm wiederum habe er die Rechte für Deutschland erworben. Von den Wettbewerbern aus Marburg will Prahl nie etwas gehört haben.

So einfach sehen die Marburger die Sache freilich nicht, sie vermuten, ihre Entwicklung sei – durch Zufall oder nicht – in die Schweiz gelangt. Prahl hat aber bei dem Eidgenossen Bächthold das Patent und den Gebrauchsmusterschutz für Deutschland "mit eigenen Augen" gesehen. Er ist deshalb seiner Sache ganz sicher und droht jedem Nachahmer von Five Up mit einer einstweiligen Verfügung.

Das Geschäft mit den rotierenden Ringen soll nicht vorzeitig durch Prozesse unterbrochen werden. Denn noch ist die Sache nicht gelaufen. Erst "wenn auf dem Schulhof damit gespielt wird, setzt der Boom richtig ein".

Im vergangenen Jahr allerdings galt die Schulhofregel nicht. Nachdem sich mehrere Kinder mit den Prallies blaue Flecken geholt hatten, und der Lärm den Lehrern zuviel wurde, untersagte der Hamburger Schulsenator Apel das Klackerspiel auf dem Schulhof und Prahl "stieg aus dem Geschäft aus". Kai D. Eichstädt