Gewiß gibt es schon zu viele jener Olympia-Tüchtigen, die bis spätestens zum Ende der Milliarden-Supershow ihre Schäfchen ins trockene bringen wollen. Bislang wurde jede Kritik an der gigantischen Kostenlawine seit Jahren immer wieder beschwichtigt: Von unvermeidbaren Preissteigerungen war da zu hören und davon, daß ja alles „unseren Sportlern“, den Strukturverbesserungen einer großen Region und vor allem dem Ansehen der Bundesrepublik zugute käme.

Jetzt hat der Oberste Bayerische Rechnungshof mit seinem Rotstift etwas an dem olympischen Ausgabenberg herumgekratzt. Eine wenig rühmliche Goldmedaille erwarbSich danach das „Deutsche Olympia-Zentrum Radio-Television (DOZ)“ für einige kräftige finanzielle Seitensprünge. Die bayerischen Rechnungsprüfer haben erst die Hälfte aller DOZ-Etatposten geprüft. Halbzeit-Ergebnis: Im DOZ hat man in den vergangenen Jahren, so die Münchner Boulevardzeitung tz, „das Geld mit offenen Händen praktisch zum Fenster hinausgeworfen“.

Das DOZ, eine gemeinsame Gesellschaft der bundesdeutschen Rundfunk- und Fernsehanstalten für die Übermittlung der Spiele in alle Kontinente, hat vor allem seine leitenden Mitarbeiter aus den Einnahmen der Gebühren und Olympia-Lotterie sehr reichlich bedacht. In der Luxusherberge „Arabella“ wurden Wohnungen zu schwindelerregenden Mieten ausgesucht; Rechnungen für die Ausstattungskosten vom Sofa bis zum Waschlappen sandten die Mieter ebenfalls zum DOZ. Kostenpunkt: 77 000 Mark und 43 Pfennig. Ein DOZ-Bereichsleiter kassierte zu seinem Grundgehalt von 6391 Mark noch Zulagen für Trennungsentschädigung und Familienheimflüge in Höhe von 4865 Mark. Alles in allem kam er auf 11 256 Mark. Eine siebenköpfige DOZ-Gruppe reiste zu den Olympischen Spielen 1968 nach Mexiko und buchte für 16 800 Mark neun Doppelzimmer im Hotel „Maria Isabel“. 4000 Mark überließen die DOZ-Olympioniken dem Hotel, um Telephon- und Telegrammrechnungen der Delegierten zu begleichen. Quittungen darüber sind in München von den Rechnungsprüfern nicht gefunden worden. Reisen zur Fußballweltmeisterschaft – ebenfalls in Mexiko – wurden ergänzt mit „kleinen“ Abstechern nach Honolulu, Bangkok und Hongkong. Geflogen wurde von einigen der Weltenbummler, entgegen der Geschäftsordnung, in der Ersten statt in der Touristenklasse.

Als Quizmaster („Was bin ich?“) verschenkt der DOZ-Chef, Robert Lembke, gern Sparschweinchen. In seinem Haus aber ist die Tugend sparsamer Haushaltsführung anscheinend abhanden gekommen. S. B.