Das Dunkel um die Beweggründe des ägyptischen Präsidenten Sadat, aus denen er die sowjetischen Ausbilder nach Hause geschickt hat, ist nach derRede des Präsidenten vor dem Nationalkongreß der Arabischen Sozialistischen Union etwas gelichtet. Sadat erklärte am Montag, die Differenzen über eine Beilegung des Nahost-Konflikts gingen bis zum März 1971 zurück. Moskau habe sich „übervorsichtig“ gezeigt und schließlich die nicht mehr akzeptable Haltung eines Freundes angenommen, „der von der Freundschaft profitieren will“.

Ägypten müsse, so fuhr Sadat fort, notfalls die Konfrontation mit Israel allein durchstehen – selbst ohne die bislang verweigerten Waffen. Libyens Staatschef Gaddafi griff diesen Gedanken sogleich auf: Libyen und Ägypten sollten zu diesem Zweck sofort zu einem einzigen Staat verschmelzen.

Sadat gab bekannt, daß sein Entschluß vom 8. Juli datiere und mit Moskau abgestimmt sei, wie überhaupt die Freundschaft mit der Sowjetunion nicht gelitten habe, ja, jetzt durchaus neue Perspektiven eröffne. Sowjetische Schiffe dürfen weiterhin die ägyptischen Häfen benutzen.

In scharfer Tonart wies Sadat die Vermutung zurück, er sei jetzt in das amerikanische Lager übergewechselt. Washington sei vielmehr der Hauptschuldige an der Situation im Nahen Osten; auf die USA müsse jetzt Druck ausgeübt werden. Informationsminister Zayyat unterstrich diesen Gedanken; Ägypten sei an einer friedlichen Lösung interessiert.

In Moskau ist der Auszug der Berater ohne Kommentar bekanntgegeben worden; in Ägypten löste er Jubelstürme aus: Sadat kam damit Wünschen des Militärs und der Bevölkerung entgegen.