Der Schauspieler, der Mensch, der mit Hilfe seiner Phantasie sich und den anderen etwas vormacht, ist das zentrale Interesse des Schriftstellers und Regisseurs Mario Soldati. Er war immer ein Glückskind: ein Mann von großer Kultur und von mittelmäßigem Talent, der so intelligent gewesen ist, seine Gaben einzig auf der persönlichen Note auszuspielen und sich vor den pompösen Postulaten zu hüten. Er hat in der ersten Blütezeit des italienischen Films, als man noch Filmhandwerk und nicht Filmindustrie betrieb, dreißig Spielfilme gedreht, die sämtlich ihr respektvolles Publikm fanden. Er hat einige Bücher geschrieben, vor allem Erzählungen und kleine poetische Berichte, die heute noch bezaubern.

In seinem letzten Buch

Mario Soldati: „Der Schauspieler“, Roman, aus dem Italienischen von E. A. Nicklas; C. J. Bucher Verlag, Luzern/Frankfurt; 253 S., 22,– DM

jedoch hat er den Ehrgeiz entwickelt, eine Romanfigur zu schaffen, die den Sinn des Daseins verkörpert. Damit hat er sich zweifellos übernommen. Der altgewordene Schauspieler Melchiorri ist verstrickt in einem verbogenen Netz von Leidenschaften, von Grausamkeit, Geldgier, Hörigkeit, Erpressung. Seine Frau, die er eigentlich noch immer liebt, ist dem Spielteufel verfallen. Er selber verfällt einem jungen Mädchen, das in der heruntergekommenen Jugendstilvilla des ehemaligen Bühnenstars Dienstmädchen spielt. Kein Wunder, daß das ganze tragisch endet. Wie, das läßt den Leser eigentlich recht kalt. Es ist alles so kompliziert und dabei so symbolisch. „Das nennt man Schicksal“, sagt mit schöner und sogar echter Banalität eine der schemenhaften Figuren dieses Romans.

Dennoch kann man das Buch (das auch noch recht holprig übersetzt ist) nicht ungerührt beiseite legen. Zuviel vom alten Mario Soldati steckt in den Schilderungen des nächtlichen Rom, das sich so sehr verändert hat, eine raffgierige Händlerstadt geworden ist und kaum noch die Spuren jener „Stallwärme“ zeigt, wo in stillen Kneipen ländlich-herzliche Leute einen willkommen hießen, während man heute „ins Hotel eilt, ja. flüchtet, und die Römer in ihren Familienschlupfwinkeln verschwinden“, wo man „wenn es Nacht wird, erschöpft, erbittert, entkräftet ist und unzufrieden mit sich selbst...“ Toni Kienlechner