Nach einer jetzt veröffentlichten Schätzung des Verlags Hoppenstedt werden die Gewinne vieler namhafter deutscher Unternehmen in diesem Jahr um 10 bis 20 Prozent steigen. Mit dieser Schätzung sahen sich die Börsenoptimisten bestätigt. Es kam zu neuen Anlagekäufen, die sich deshalb rasch in steigenden Kursen niederschlugen, weil auch die Ausländer noch um deutsche Aktien bemüht waren und gleichzeitig die Verkaufsbereitschaft zurückging. Unmittelbar nach dem Rücktritt von Bundeswirtschafts- und -finanzminister Karl Schiller, also nach Einführung des Devisendirigismus, war es zu sogenannten „Angstverkäufen“ gekommen. Diese Periode ist abgeschlossen.

Mit der Intervention der amerikanischen Regierung zugunsten des Dollars ist überdies die Furcht vor einer neuen Aufwertung der Mark in den Hintergrund getreten. Dadurch hat sich das Klima am Aktienmarkt wesentlich verbessert. Das drückte sich in etlichen Sonderbewegungen aus. Hier ist an erster Stelle der kräftige Aufschwung der Daimler-Aktie zu nennen. Sie profitiert von der bevorstehenden Ausgabe der Gratisaktien.

Besondere Aufmerksamkeit finden neuerdings die Stahlaktien. Sie gelten als eine Art Geheimtip. In der Stahlindustrie hat sich der Auftragseingang merklich gebessert. Eine größere Beschäftigung bedeutet eine bessere Kapazitätsauslastung und damit mehr Rentabilität. Die Börsianer sind sich durchaus im klaren darüber, daß sich der „Aufschwung“ in den am 30. September endenden Geschäftsjahren noch nicht spürbar niederschlagen kann. Die Abschlüsse werden alles andere als glänzend sein. Antizyklische Anleger kaufen Stahlaktien wegen der Abschlüsse für 1972/73. K. W.