Anton Ernstberger, Vorstandssprecher der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank, und Karl Theodor Jacob, Präsident der damaligen Bayerischen Gemeindebank, Girozentrale, waren bereits im letzten Herbst über einen Kooperationsvertrag handelseinig geworden. Auf „eineinhalb Maschinenseiten“ (Jacob) vereinbarten sie eine Zusammenarbeit „in so gut wie allen Geschäftsbereichen“ und regelmäßigen Erfahrungsaustausch.

Die beiden „schlitzohrigen“ Duzfreunde Jacob (Theo) und Ernstberger (Toni) wahrten über ihr Abkommen strengstes Stillschweigen. Das Motiv dafür verriet Jacob: „Wir wollten doch die Verhandlungen über die Fusion nicht stören.“

Seit 1. Juli ist die Gemeindebank mit der bisherigen Bayerischen Landesbodenkreditanstalt zur „Bayerischen Landesbank, Girozentrale“ verschmolzen, an der die Sparkassenorganisation und der bayerische Staat mit jeweils 50 Prozent beteiligt sind. Bei der konstituierenden Sitzung am vergangenen Montag erfuhr der Verwaltungsrat, daß der Vertrag „automatisch“ auch für das vereinigte Institut gilt.

Die Frage, ob man sich nicht einer Täuschung des Landtags (der das Gesetz über die neue Landesbank genehmigte) schuldig gemacht habe, verneint Jacob; „Der zuständige Ressortminister (der ehemalige Finanzminister Otto Schedl) und Ministerpräsident Goppel sind doch informiert worden.“

Der Vorstand der Bayerischen Vereinsbank, in deren Aufsichtsrat Landesvater Goppel sitzt, ist jedoch anderer Meinung. Er versteht den Pakt zwischen der Bayern-Hypo und der Bayerischen Landesbank, die immerhin die Hausbank des bayerischen Staates ist, als „Kampfansage“ an die Veieinsbank, zumindest aber als eine „wesentliche Beeinträchtigung des freien Wettbewerbs“.

Der Vorstandssprecher der Vereinsbank, Werner Prenauer, will sich deshalb mit dem Ministerpräsidenten Goppel über die „tolle Geschichte“ unterhalten, aber auf die Barrikaden bringt ihn die Liaison der Konkurrenten nicht: „Wir haben keine Angs:. Erfahrungsgemäß funktioniert solch eine Zusammenarbeit in der Praxis nur schwer.“ Er bezweifelt, daß sich „die stolzen Sparkassenleiter von oben etwas befehlen“ lassen – die bayerischen Sparkassen will man in die Kooperation zwischen ihrer Zentralbank und der Bayern-Hypo einbeziehen.

Jacob und Ernstberger hatten ihren Terminplan exakt abgestimmt: Einen Tag nach der Verwaltungsratssitzung der Landesbank fand eine außerordentliche Hauptversammlung bei der Bayern-Hypo statt. Hypo-Chef Ernstberger, der von seinen Aktionären eine Kapitalerhöhung und ein „genehmigtes Kapital“ beschließen ließ, konnte den Kooperationsvertrag als weiteren Beweis für seine expansive und unkonventionelle Geschäftspolitik servieren.