Die Volksrepublik China setzt ihre „Offensive des Lächelns“ mit beachtlicher Schnelligkeit fort. Ministerpräsident Tschou En-lai ließ den japanischen Oppositionsführer Kozo Sasaki wissen, daß der neue Regierungschef Tanaka jederzeit in Peking willkommen sei. Bei den ersten förmlichen Verhandlungen zwischen Vertretern Japans und der Volksrepublik in Tokio äußerten beide Seiten die Hoffnung, daß die staatlichen Beziehungen „so schnell wie möglich“ wieder normalisiert werden. Tanaka begegnet jedoch der China-Euphorie mit spürbar dämpfender Zurückhaltung. Er wird sich vorher, am 31. August, für zwei Tage mit Präsident Nixon auf Hawaii treffen.

Auch gegenüber dem ehemaligen Außenminister Gerhard Schröder gab Tschou En-lai sein Interesse an guten Beziehungen „ohne Vorbedingungen“ (so das CDU-MdB) zwischen Bonn und Peking zu erkennen. In „sehr vielen“ Punkten sei Übereinstimmung erzielt worden – sehr zum Ärger Moskaus, das in der Schröder-Reise keinen Beitrag zur Entspannung, sondern eine Art Komplicenschaft mit dem Pekinger Kurs sieht.

Recht schwer tut sich dagegen Australien. Die Regierung lehnte es ab, das Tischtennisteam aus der Volksrepublik offiziell zu empfangen und damit möglicherweise eine neue Runde der „Ping-Pong-Diplomatie“ einzuleiten.

Die Kreml-Führung hat in den vergangenen beiden Wochen Umbesetzungen in der lettischen Verwaltung vorgenommen. Über die Gründe schwieg sich Moskau aus; es besteht jedoch kein Zweifel, daß sie mit den Protestaktionen einzelner Letten gegen die Nationalitäten-Politik der Sowjetunion zusammenhängen. Die Minderheiten-Frage wird akut: Von 1959 bis 1970, dem Jahr der letzten Volkszählung, verringerte sich der russische Anteil an der Gesamtbevölkerung von 241,7 Millionen von 58 auf 53 Prozent. In den westlichen Unionsrepubliken wuchs der russische Anteil; in den kaukasischen und zentralasiatischen Republiken verlief die Entwicklung umgekehrt. Von 1939 bis 1959 nahm die Bevölkerung im europäischen Teil der Sowjetunion um 3,8 Prozent zu, im asiatischen Teil dagegen um 35,6 Prozent.