Die Teilung Westeuropas in zwei Wirtschaftsblöcke ist überwunden. Nachdem vor einem halben Jahr vier ehemalige Mitglieder der kleinen Freihandelszone (EFTA) der EWG beitraten, unterzeichneten die sechs übrigen: Staaten jetzt Freihandelsverträge mit der Gemeinschaft. Das Ergebnis ist imponierend.

Die Wirtschaftsgemeinschaft hat ihre bisher schon unbestrittene Stellung als erste Handelsmacht der Welt weiter ausgebaut. Die 16 Länder der europäischen Freihandelszone bieten ihrer Industrie einen (in vier Jahren) von (fast) allen Zöllen befreiten Markt mit 295 Millionen Verbrauchern. Allein der „harte Kern“ des europäischen Wirtschaftsblocks, die zehn EWG-Länder, produzieren bei einem Anteil von nur sieben Prozent an der Weltbevölkerung 18 Prozent aller Güter und Dienstleistungen dieser Erde. Sie vereinigen 37 Prozent des Welthandels auf sich. In den Tresoren ihrer Zentralbanken lagern 43 Prozent der Währungsreserven der westlichen Welt...

Doch der Zahlenrausch verfliegt. Ob die politischen und wirtschaftlichen Chancen, die dieser Zusammenschluß bietet, in den nächsten Jahren wirklich genutzt werden, bleibt abzuwarten. Mit der Zahl der Mitglieder wachsen auch die Probleme. Die Schwierigkeiten, die die Briten ihren ehemaligen EFTA-Partnern bei den Verhandlungen über die Freihandelsverträge machten, zeugten nicht gerade von europäischem Geist. Bei Frankreich fehlt er ohnehin allzu oft. Und den Europa-Reden deutscher Politiker folgen auch nicht immer Taten. mj